Differentielle Psychologie – Persönlichkeitsforschung

Glossar


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Abweichungs-IQ

Obwohl häufig als „IQ“ bezeichnet, handelt es sich tatsächlich um eine Standardnorm. Der von David Wechsler (1939) eingeführte Abweichungs-IQ weist einen Mittelwert von 100 und eine Standardabweichung von 15 auf.

Alexithymie

Im Kontext der psychoanalytisch geprägten psychosomatischen Forschung entwickeltes Merkmal, das Schwierigkeiten beschreibt, Gefühle und die mit emotionaler Erregung verbundenen körperlichen Symptome wahrzunehmen, zwischen unterschiedlichen Gefühlen zu differenzieren und Gefühle zu beschreiben. Hinzu kommen ein sprachgebundener kognitiver Stil, externe Orientierung und Schwierigkeiten, sich der Fantasie hinzugeben. Gilt als ein Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Störungen.

Ambulantes Assessment

Gruppe von Methoden, denen gemeinsam ist, dass Daten in der natürlichen Lebenswelt einer Person erhoben werden, häufig über einen längeren Zeitraum und eine Serie von Messzeitpunkten hinweg. In der Literatur finden sich unterschiedliche Bezeichnungen für diesen methodischen Ansatz. Der Begriff „real-time data capture“ unterstreicht die Nähe der Datenerfassung zum Geschehen; „experience sampling“ betont das methodische Anliegen, Verhaltens- und Erlebensstichproben aus dem Alltag der Versuchspersonen zu gewinnen.

Attributionstil

Beschreibt die habituelle Neigung einer Person, Ereignissen bestimmte Ursachen zuzuschreiben. Ursachenzuschreibungen (Attributionen) können anhand unterschiedlicher Dimensionen differenziert werden, z.B. internal/external, global/spezifisch und stabil/ variabel.

Autosomalrezessiver Erbgang

Ein bestimmter Phänotyp tritt nur dann auf, wenn auf jeweils bei den Chromosomen eine bestimmte Genvariante vorliegt (= rezessiver Erbgang), d.h. die entsprechende Genvariante muss sowohl von der Mutter als auch vom Vater vererbt werden. Da es sich um einen autosomalen Erbgang handelt, befindet sich die entscheidende Genvariante nicht auf einem der Geschlechtschromosomen (X- bzw. Y-Chromosom). Dies hat zur Folge, dass Frauen und Männer vom entsprechenden Phänotyp gleichermaßen betroffen sein können.

Belohnungsaufschub (Delay of gratification)

Das wohl einflussreichste Paradigma zur Untersuchung von Selbstkontrolle, entwickelt von Walter Mischel und seiner Forschungsgruppe in den 1960er Jahren. Selbstkontrolle wird für den Fall untersucht, dass auf einen unmittelbaren Genuss verzichtet werden muss, um eine in naher oder ferner Zukunft liegende größere Belohnung zu erhalten. Kinder werden mit der Situation konfrontiert, dass sie entweder eine kleine Verlockung sofort erhalten, oder eine größere, wenn sie auf die Rückkehr der Versuchsleiterin warten.

Bildgebende Verfahren

Oberbegriff für apparative Untersuchungsmethoden (z.B. Röntgenaufnahmen, Ultraschall, Magnetresonanztomografie, Positronen-Emissions-Tomografie), die Bilddaten von Organen oder Strukturen des Körpers einschließlich des Gehirns liefern. Während strukturelle bildgebende Verfahren lediglich die Organstruktur sichtbar machen, können mit Hilfe von funktionellen bildgebenden Verfahren Prozesse und Funktionen sichtbar gemacht werden. In der psychologischen Forschung lassen sich auf diese Weise z.B. lokale Aktivierungsverläufe im Gehirn während der Bearbeitung kognitiver Aufgaben erfassen.

Effortful control

Eine willentliche, mit Aufwand und Anstrengung verbundene Kontrollleistung. Beinhaltet im Kern die Fähigkeit, eine dominante Reaktion zugunsten einer weniger dominanten Reaktion zu inhibieren. Es wird angenommen, dass die willkürliche Steuerung von Aufmerksamkeit der zentrale Mechanismus der Kontrolle ist. Gilt in dem entwicklungspsychologischen Ansatz von Rothbart und Posner als ein Bestandteil des Temperaments.

Ego-depletion

Zustand erschöpfter Selbstkontrolle. Geht von der von Baumeister und Muraven postulieren Idee aus, dass allen Selbstkontrollleistungen – in welcher Form auch immer sie erbracht werden müssen – dieselbe Kraft unterliegt und dass diese Kraft begrenzt ist, wobei sich Personen habituell im Ausmaß ihrer Selbstkontrollstärke unterscheiden. Ausübung von Selbstkontrolle führt demnach bei nachfolgenden Aufgaben, die erneut Selbstkontrolle erfordern, zu schlechteren Leistungen.

Ego-Resilience

Fähigkeit zu einem flexiblen Ausmaß an Selbstkontrolle. Nach Block und Block ist adaptives Verhalten durch die Fähigkeit gekennzeichnet, das Ausmaß an Kontrolle den jeweiligen Anforderungen anzupassen (statt rigide Kontrolle auszuüben). Verbunden mit der Annahme, dass sowohl ein Zuviel an Selbstkontrolle (overcontrolled) als auch ein Zuwenig (undercontrolled) jeweils positive und negative Folgen haben kann.

Emotionale Intelligenz

Nach Mayer und Salovey eine Fähigkeit, die anderen Teilkomponenten der Intelligenz vergleichbar ist, und vier Komponenten umfasst, die sich auf die Wahrnehmung, Nutzung, Regulation und das Verständnis von Emotionen beziehen.

Emotionsregulation

Bezieht sich auf alle kognitiven, expressiven und verhaltensbezogenen Vorgänge, die das Erleben und den Ausdruck einer Emotion beeinflussen. Es wird angenommen, dass Emotionsregulation sowohl bewusst als auch automatisiert, d.h. ohne bewusstes Eingreifen erfolgt. Habituelle Präferenzen für bestimmte Formen der Emotionsregulation können als Persönlichkeitsmerkmale verstanden werden.

Empathie

Fähigkeit, die Gefühle und Gedanken einer anderen Person wahrnehmen und nachempfinden zu können; sie gilt als eine Komponente der sozialen Kompetenz. Ein Ansatz, in dem diese Fähigkeit methodisch besonders sorgfältig untersucht wird, ist die Forschung von Ickes und Mitarbeitern zur empathic accuracy, die sich auf das Ausmaß bezieht, in dem die Gefühle und Gedanken einer anderen Person „akkurat“ erkannt werden.

Ereigniskorreliertes Potenzial

Englisch event-related potential (ERP), spiegelt die elektrokortikale Aktivität des Gehirns wider, die durch einen physikalischen Reiz ausgelöst und von psychologischen Prozessen wie beispielsweise Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder anderen kognitiven Einflussfaktoren moduliert wird.

Essentielle Aminosäure

Eine Aminosäure, die für den Organismus lebensnotwendig ist, die er aber nicht selbst herstellen kann. Sie muss deshalb als Bestandteil der Nahrung dem Körper von außen zugeführt werden.

Evolutionspsychologie

Versucht das (insbesondere soziale) Verhalten und Erleben des Menschen mit Hilfe von aus der Evolutionsbiologie/Soziobiologie abgeleiteten Prinzipien zu erklären.

Exekutive Funktionen

Umfassendes Spektrum an kognitiven Fähigkeiten, die Grundlage einer kontrollierten Steuerung und Überwachung von Verhalten sind. Dazu gehören die Setzung von Zielen, Planung, die Ausführung zielgerichteter Handlungen, Aufmerksamkeitskontrolle, kognitive Flexibilität, Impulskontrolle und Inhibition.

Extraversion

Grundlegende Persönlichkeitsdimension, die unterschiedliche Facetten umfasst, darunter als Kernelemente die Neigung zu positivem Affekt, Erlebnissuche sowie Geselligkeit und Kontaktfreudigkeit.

Fragebogen

Das am häufigsten eingesetzte Verfahren in der Persönlichkeitsforschung, anhand dessen Personen in standardisierter Form ihre Gedanken, Gefühle, Einstellungen, Ziele und Verhaltensweisen einschätzen. Mit Fragebögen werden sowohl Eigenschaften als auch aktuelle Zustände erfasst. Fragebögen sind das Ergebnis eines längeren Konstruktionsprozesses, der sich an methodischen Prozeduren und Qualitätsstandards orientiert, die in Testtheorien formuliert sind.

g-Faktor der Intelligenz

Ausgehend von der Beobachtung, dass verschiedene (Intelligenz-) Leistungsmaße miteinander korreliert sind, postulierte Spearman (1904) die Existenz eines generellen (g-)Faktors der Intelligenz, der an allen Intelligenzleistungen – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß – beteiligt ist und als eine Art mentale Energie aufgefasst werden kann.

 

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