Sozialpsychologie – Individuum und soziale Welt

Kapitelübersicht


Kapitel 1

Selbst


Zusammenfassung

Das „Selbst“ ist in unterschiedlichen Facetten relevant für das Denken und Handeln von Personen. Die Kognitionen von Personen über vorhandene Fähigkeiten und Eigenschaften sind relevant für das eigene Selbstkonzept und das Selbstwertgefühl. Mögliche Quellen des Selbstkonzepts und des Selbstwertes sind selbstbezogene Attributionsprozesse, soziale Rückmeldungen und soziale Vergleiche. Bei der Verarbeitung selbstwertrelevanter Informationen gehen Personen allerdings nicht immer objektiv vor, sondern neigen zu Verzerrungen der Informationen in eine selbstdienliche Richtung.

Zur Selbstwahrnehmung zählt die aktive Wahrnehmung des Selbst im Sinne von Selbstaufmerksamkeit. Man unterscheidet „objektive Selbstaufmerksamkeit“, bei der die Aufmerksamkeit der Person nach innen gerichtet ist, und „subjektive Selbstaufmerksamkeit“, bei der die Person ihre Aufmerksamkeit auf die Umwelt richtet. Personen streben danach, das Bild, welches andere von ihnen haben, durch bewusste oder unbewusste Selbstdarstellungsprozesse zu beeinflussen. Dabei sind sowohl positive als auch negative Formen der Selbstdarstellung denkbar, je nachdem, welche Reaktion man beim Gegenüber erzielen möchte.

Der Glaube einer Person daran, bestimmte Handlungen ausführen und gewünschte Ergebnisse erreichen zu können, bestimmt die Selbstwirksamkeit der Person. Die Selbstwirksamkeit sowie das Ausmaß an Selbstregulation sind wiederum Determinanten für die Ausführung von Handlungen in allen Lebensbereichen. Dies unterstreicht nochmals den zentralen Stellenwert des „Selbst“.

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Kapitel 2

Die problematische Persönlichkeit - Autoritarismus, Narzissmus und Soziale Dominanzorientierung


Zusammenfassung

Die Gegenüberstellung von Autoritarismus und Autoritätsgehorsam stellt den Kontrast zwischen einer dispositionalen und einer situativen Beeinflussung menschlichen Sozialverhaltens dar. Während der Autoritarismus Stereotype und Vorurteile impliziert, ist der Autoritätsgehorsam Ausdruck von sozialem Druck, der unter dem Deckmantel einer seriösen Autorität ausgeübt wird. Autoritätsgehorsam setzt keine dispositionale Autoritätshörigkeit voraus. Vielmehr baut er auf dem Eltern-Kind-Rollenschema auf, durch das das Kind darauf vorbereitet wird, Anordnungen von Autoritäten zu erfüllen. Dieses Rollenschema kann im weiteren Lebenslauf durch Lehrer-Schüler- und Vorgesetzten-Mitarbeiter-Beziehungen verfestigt werden.

Narzissmus ist durch Selbstbezogenheit und Überheblichkeit gekennzeichnet, die zu übertriebenem Anspruchsdenken führen. Als Folge davon neigen Narzissten dazu, andere zu ihrem eigenen Vorteil auszubeuten und dadurch interpersonelle Konflikte hervorzurufen. Während der offene Narzissmus eine Siegermentalität zum Ausdruck bringt, beinhaltet der verdeckte Narzissmus Selbstzweifel und Ängstlichkeit. Narzissten sind häufig latent unzufrieden, weil sie ihre hohen Erwartungen nicht vollständig erfüllen können.

Hohe Soziale Dominanzorientierung beinhaltet die Akzeptanz von gesellschaftlichen Hierarchien. Sie hängt einerseits mit dem Streben nach Dominanz über andere und andererseits mit Intergruppendiskriminierung zusammen, da gesellschaftliche Minderheiten abgewertet werden. Während Narzissmus dem Streben nach einem überhöhten Selbstwert dient, beruht Soziale Dominanzorientierung auf einer systemischen Perspektive. Beiden Konzepten gemeinsam sind aber das Streben nach Aufstieg und die defensive Verteidigung der eigenen Position.

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Kapitel 3

Konsitenztheorien


Zusammenfassung

Den Konsistenztheorien liegt die Annahme zugrunde, dass Personen danach streben, ihre Kognitionen untereinander sowie mit ihrem Verhalten in Einklang zu bringen. Entstehen jedoch Widersprüche, so gelangt die Person in einen Zustand kognitiver Inkonsistenz. Um diesem Spannungszustand entgegenzuwirken, kann sie sich unterschiedlicher Mechanismen bedienen. Mit der Auffassung, dass Personen innerhalb ihres psychischen Systems nach Ausgeglichenheit streben und versuchen, dieses Gleichgewicht durch verschiedene (möglicherweise unbewusste) Strategien wiederherzustellen, bauen die Konsistenztheorien, insbesondere die Theorie der kognitiven Dissonanz, auf dem Freud’schen Gedankengebäude auf.

Die Theorie der kognitiven Dissonanz nach Festinger (1957) geht davon aus, dass der aus der kognitiven Inkonsistenz resultierende Spannungszustand durch Kognitions- und Verhaltensänderungen, die selektive Suche nach neuen Informationen oder die Tendenz zur Selbstbekräftigung reduziert werden kann.

In der Theorie der kognitiven Balance nach Heider (1958) werden positive und negative Einstellungen einer Person sowohl in Bezug auf andere Personen als auch in Bezug auf verschiedene Sachverhalte betrachtet. Die aus zwei oder drei Elementen bestehenden Strukturen können wiederum balanciert oder unbalanciert sein. Letzteren Zustand kann die Person durch die Veränderung ihrer Beziehungen zu den anderen Elementen (zweite Person oder Einstellungsgegenstand) verändern.

Die Konsistenztheorien, insbesondere die Theorie der kognitiven Dissonanz, haben eine Reihe von Forschungsergebnissen hervorgebracht, die auch praktische Anwendung finden (z. B. in der politischen Psychologie, der Arbeits- und Organisationspsychologie, der Markt- und Werbepsychologie sowie der klinischen Psychologie).

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Kapitel 4

Das Streben nach Kontrolle: Menschen zwischen Freiheit und Hilflosigkeit


Zusammenfassung

Menschen streben nach wahrgenommener Kontrolle, also der Überzeugung, gewünschte Ereignisse herbeiführen und unerwünschte Ereignisse vermeiden zu können. Hierzu stehen ihnen sowohl primäre als auch sekundäre Strategien zur Verfügung. Je stärker Personen wahrnehmen, Ereignisse in ihrer Umwelt beeinflussen oder diese zumindest vorhersagen, erklären und interpretieren zu können, umso eher sollte sich ein Gefühl von Kontrolle einstellen.

Obgleich Menschen im Alltag selten bewusst über vorhandene Kontrolle nachdenken, lässt sich doch zeigen, dass Kontrollwahrnehmungen in nicht unerheblichem Maße bestimmen, wie Personen mit belastenden Situationen umgehen und ob sie Anforderungssituationen als Herausforderung oder als Bedrohung auffassen. Die Wahrnehmung mangelnder Kontrolle führt in der Regel zunächst zu gesteigerter Anstrengung, vertiefter kognitiver Verarbeitung und erhöhtem „Freiheitsstreben“. Dauert der Zustand wahrgenommenen Kontrollmangels jedoch längere Zeit an, so können Personen in einen apathischen Zustand erlernter Hilflosigkeit geraten.

Kontrollwahrnehmungen und Kontrollstreben spielen eine wichtige Rolle für eine Vielzahl sozialpsychologischer Prozesse. So zeigt sich, dass Kontrolle sowohl Ergebnis (z. B. bei Arbeitslosigkeit) als auch Ausgangspunkt (z. B. bei der Vorhersage umweltfreundlichen Verhaltens) sozialer Prozesse sein kann. Darüber hinaus kann Kontrolle als sozial geteilt wahrgenommen werden und ermöglicht so die Beteiligung an kollektiven Bewegungen oder auch die Kompensation persönlicher Machtlosigkeit.

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Kapitel 5

Interpersonale Attraktion


Zusammenfassung

Interpersonale Attraktion lässt sich als die affektive Bewertung einer anderen Person definieren. Hinzu kommt die kognitive Bewertung. Interpersonale Attraktion wird erhöht, wenn man die Erfahrung macht, gemocht zu werden. Außerdem erhöht Ähnlichkeit, die sich auf Einstellungen, Werte, sozioökonomische Merkmale und Persönlichkeitsaspekte beziehen kann, die interpersonale Attraktion. Das Verstärkungs-Affekt-Modell der Attraktion, dem das Prinzip der klassischen Konditionierung zugrunde liegt, sagt voraus, dass wir die Menschen mögen, die uns in der Vergangenheit positiv verstärkt haben. Diese Verstärkung umfasst die Bestätigung der eigenen Weltsicht oder des eigenen Selbstbildes. Das Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“ trifft nicht zu.

Die Balancetheorie betrachtet die Relationen zwischen der Person (das Selbst), einer anderen Person und einem Einstellungsobjekt (Entität), die eine Triade bilden. Sie beschreibt die Tendenz, den anderen zu mögen, wenn man das Gefühl hat, vom anderen gemocht zu werden. Dieses Kongruitäts-Prinzip ergänzt das Prinzip, diejenigen zu mögen, in deren Anwesenheit Befriedigung erzielt wird.

Nähe und Häufigkeit des Zusammentreffens haben einen bedeutsamen Einfluss auf die interpersonale Attraktion. Je häufiger man einer Person begegnet, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass man sich mit ihr anfreundet ( Mere exposure-Effekt).

Außergewöhnliche bzw. perfekte Personen können eine Bedrohung des Selbstwerts und des Ideal-Selbst darstellen. Dabei besteht ein Unterschied zwischen der kognitiven und der affektiven Bewertung. Denn die perfekte Person ruft einerseits kognitive Bewunderung hervor, andererseits aber auch Distanzierung, die auf der Beeinträchtigung der affektiven Attraktion beruht.

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Kapitel 6

Physische Attraktivität


Zusammenfassung

Physische Attraktivität stellt eine wichtige Determinante des interpersonellen Mögens dar. Dabei spielt das Stereotyp der Schönheit eine wesentliche Rolle, das eine eigene soziale Realität erzeugt. Erwartungen, die aus dem Stereotyp folgen, tragen dazu bei, dass sich der Inhalt des Stereotyps in der Tendenz bewahrheitet. Das Stereotyp der Schönheit beinhaltet die Zuschreibung von sozialer Kompetenz. Es beruht auf einem Wahrheitskern, da in der Tendenz gilt, dass attraktivere Menschen sozial kompetenter auftreten. Männer und Frauen bevorzugen gleichermaßen physisch attraktive Partner. In der Langzeitperspektive gewichten Männer die physische Attraktivität stärker als Frauen. Im beruflichen Bereich ist hohe physische Attraktivität für den Erfolg förderlich. Physische Attraktivität wirkt sich positiv auf die Einkommenshöhe im speziellen und den Berufserfolg im Allgemeinen aus. Sie wirkt sich auch in romantischen Partnerschaften günstig aus, da physische Attraktivität mit mehr Dating-Erfahrungen und mehr sexueller Erfahrung zusammenhängt.

Das Kindchenschema ( Babyface) ist eine zentrale Komponente der Gesichtsattraktivität. Eine zweite Merkmalsgruppe der Gesichtsattraktivität sind die Reifemerkmale: deutlich erkennbare Wangenknochen und schmale Wangen. Schließlich spielen auch expressive Merkmale eine wichtige Rolle, die durch breites, ausdrucksvolles Lächeln repräsentiert werden. Die Durchschnittsbildung erzeugt prototypische Gesichter, die symmetrisch und besonders attraktiv sind. Asymmetrie des Gesichts wirkt sich auf die Zuschreibung von negativen Persönlichkeitseigenschaften wie Neurotizismus aus.

Die Figurattraktivität wird vor allem durch den BMI bestimmt. Dabei ist die günstigste Beurteilung der Attraktivität bei Frauen bei einem BMI von 19 bis 20 und bei Männern bei einem mittleren BMI gegeben.

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Kapitel 7

Soziale Wahrnehmung: naive Theorien, Eindrucksbildung, Verarbeitung von Gesichtern


Zusammenfassung

Nach Heider (1958) werden Menschen als naive Laienwissenschaftler betrachtet, die sich subjektive Theorien darüber bilden, warum andere Menschen bestimmtes Verhalten zeigen (Kausalattribution). Dabei unterscheidet Heider zwischen internaler Attribution („Die Person hat das Verhalten aufgrund ihrer Dispositionen gezeigt“) und externaler Attribution („Die Person hat das Verhalten aufgrund bestimmter Umstände gezeigt“).

Kelley (1967) betont, dass die Entscheidung, das Verhalten einer Person internal oder external zu attribuieren, von drei Informationsquellen abhängt: Konsens, Distinktheit und Konsistenz. Dabei neigen Menschen jedoch dazu, den Einfluss der Person zu überschätzen und den Einfluss der Situation zu unterschätzen (fundamentaler Attributionsfehler).

Soziale Wahrnehmung hängt zudem von den Gesichtern von Personen ab, deren Verhalten beurteilt werden soll. Hier hat sich gezeigt, dass sogenannte Durchschnittsgesichter als verstärkt attraktiv wahrgenommen werden. Menschen mit attraktiven Gesichtern werden positive Dispositionen zugeschrieben, Menschen mit wenig attraktiven Gesichtern hingegen negative/kriminelle Eigenschaften. Gesichter werden ganzheitlich verarbeitet und abgespeichert. Dabei werden Gesichter besser wiedererkannt, wenn sie die gleiche Hautfarbe und dieselbe Alterskategorie aufweisen wie man selbst (Own-Race-Bias).

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Kapitel 8

Soziale Urteile und Rationalität bei Entscheidungen: Urteilsheuristiken und Erwartungen


Zusammenfassung

Ziel des vorliegenden Kapitels war es darzustellen, wie Individuen ihre soziale Welt wahrnehmen und interpretieren. Untersuchungen zu sozialen Kognitionen konnten hierbei in zahlreichen Studien zeigen, dass unbewusste und automatisch ablaufende Denkprozesse in der Natur des menschlichen Denkens liegen. Hierbei konnten wir aufzeigen, dass Urteilsheuristiken als mentale Strategien durchaus hilfreich sind, um schnell und effizient seine soziale Welt einzuschätzen, auch wenn es unter „falscher“ Anwendung dieser Strategien zu verzerrten und damit fehlerhaften Urteilen kommt. Beispiele für falsch angewendete Heuristiken finden wir in der Verarbeitung von Informationen durch die Medienberichterstattung: Die Häufigkeit der Medienberichterstattung über bestimmte Ereignisse übt einen starken Einfluss auf Wahrscheinlichkeitsurteile aus. Da beispielsweise über ungewöhnliche Todesarten (Suizide, Naturkatastrophen) häufiger berichtet wird als über „natürliche“ Todesursachen wie z. B. Diabetes oder Herzinfarkte, überschätzen Personen die Auftretenswahrscheinlichkeit der ungewöhnlichen Todesarten systematisch (s. Strack & Deutsch, 2002).

Nicht nur durch die falsche Anwendung von Heuristiken kann es zu Fehlurteilen kommen. Auch weichen allgemeine Erwartungen und Schemata ebenfalls von rationalen Entscheidungsmodellen ab und führen zu einer Verzerrung in der Informationsverarbeitung. Die in diesem Kapitel beschriebenen Erwartungen und Hypothesen beziehen sich hierbei nicht nur auf Mikrogebilde (Personen, Gruppen), sondern auch auf Makrogebilde in Wirtschaft und Gesellschaft. Betrachtet man beispielsweise wirtschaftliche Entwicklungen und Konjunkturverläufe, wird schnell die außerordentliche Bedeutung von Erwartungen klar. Je nachdem, ob Mitglieder einer Gesellschaft positive oder negative Erwartungen hinsichtlich ihrer zukünftigen finanziellen Situation haben, werden sie als Konsumenten die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen. Solche Erwartungen spielen sowohl eine Rolle für den Konsumklima-Index, als auch für den sog. IFO-Index, der die Erwartungen von Unternehmern hinsichtlich der Konjunkturverläufe misst. Ebenso spielen Erwartungen über die Entwicklung von Aktienkursen eine wichtige Rolle für das Verhalten von Börsenakteuren (Frey & Stahlberg, 1990).

Dass Menschen wie Alltagstheoretiker mit automatisch ablaufenden Denkmustern ihre soziale Welt ordnen, stellt eine ausschlaggebende Determinante in der täglichen Reiz- und Informationsverarbeitung dar: Ohne Erwartungen, Schemata und Heuristiken wären Personen der Flut von auf sie einstürzenden Informationen hilflos ausgeliefert. Sie führen zwar manchmal zu Fehlurteilen, aber sie ermöglichen erst die effiziente Selektion und Interpretation sozialer Informationen in unserem alltäglichen Leben.

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Kapitel 9

Soziale Kognition: Aktivierung kognitiver Konzepte, automatische kognitive Konzepte und die Entwicklung der soziokognitiven Neurowissenschaft


Zusammenfassung

Das vorliegende Kapitel gibt einen kurzen Überblick über das Forschungsfeld der sozialen Kognitionen und nimmt eine exemplarische Vertiefung anhand der Konzepte des Primings und der Gedankenlosigkeit vor. Dargestellt wurden jeweils die grundlegenden Klassifikationen, die eine Unterscheidung zentraler Aspekte und Ansätze innerhalb dieser beiden Konzepte ermöglichen: Eine Abgrenzung erfolgt zwischen dem semantischen, affektiven und prozeduralen Priming sowie zwischen dem Konzept des „Gefangensein im Kategoriendenken“, „mechanischen und automatischen Reaktionen“ und dem „Handeln unter einer einzigen Perspektive“. Weiterhin werden Erklärungsansätze und (mögliche) zugrunde liegende Mechanismen dieser beiden Formen kognitiver Prozesse näher erläutert. Ermöglicht wird auf diese Weise u. a. ein Einstieg in die Anwendung des Primings, das als eine wesentliche Methode im psychologischen Experiment zu beurteilen ist. Das z. T. umstrittene angeführte Konzept der Gedankenlosigkeit wird zusätzlich abgegrenzt von der sogenannten Achtsamkeit, wobei die lückenhafte theoretische Fundierung im Fokus der angeführten Kritik steht.

Die Überzeugung, dass die soziokognitive Neurowissenschaft im Zuge einer interdisziplinären Vernetzung als eine Bereicherung für sozialpsychologische Forschung – insbesondere im Forschungsfeld der sozialen Kognitionen – zu betrachten ist, führt zu einem Überblick über Methoden und Forschungsschwerpunkte dieser Nachbardisziplin der (Sozial-)Psychologie.

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Kapitel 10

Einstellung und Verhalten


Zusammenfassung

Einstellungen sind summarische Bewertungen von Gegenständen, Personen, sozialen Gruppen oder abstrakten Konstrukten. Sie umfassen affektive, kognitive und verhaltensbezogene Komponenten. Sie vereinfachen die Informationsverarbeitung und regeln Annäherung und Vermeidung. Darüber hinaus können sie zur Selbstdefinition genutzt werden und dem Selbstwert und der Identität dienen.

In Forschung und Anwendung werden Einstellungen meist durch standardisierte Ratingskalen erfasst, in jüngster Zeit auch vermehrt durch reaktionszeitbasierte indirekte Verfahren. Die Messung physiologischer Korrelate ist aufwändig und wird daher eher in der Forschung als in der Praxis verwendet.

Sozialpsychologische Theorien beschreiben Einstellungsänderung als Folge von Informationsverarbeitungsprozessen, die unterschiedlich hohen kognitiven Aufwand erfordern, und integrieren diese Prozesse in umfassenden Modellen. Wesentliche Einflussgrößen sind hierbei die Verarbeitungsmotivation und die kognitive Kapazität. Einstellungsbildung oder -änderung kann auch durch Informationsdarbietung außerhalb der fokussierten Aufmerksamkeit der Person erfolgen.

Die Forschung zu den Auswirkungen von Einstellungen beschäftigt sich mit der Informationsverarbeitung und dem Zusammenhang zwischen Einstellung und Verhalten. Aufgrund von Einstellungen kann man in dem Maße Vorhersagen auf Verhalten machen, in dem die beiden Konstrukte einander im Spezifikationsgrad entsprechen. Um von der Einstellung auf das Verhalten schließen zu können, ist zudem wichtig, dass ähnliche Aspekte des Einstellungsgegenstands zum Messzeitpunkt salient sind. Beispielsweise wäre es möglich, dass kurz vor dem Kauf von Opernkarten der hohe Preis salient wird, den man bei der Einstellungsbildung noch nicht bedacht hatte. Darüber hinaus lässt sich die Vorhersage des Verhaltens verbessern, wenn man weitere Prädiktorvariablen (z. B. wahrgenommene Verhaltenskontrolle, Motivation) sowie die Prozesse, die beim Einstellungserwerb und beim Abruf von Einstellungen aus dem Gedächtnis eine Rolle spielen (spontane vs. deliberative Einstellungen), mit einbezieht.

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Kapitel 11

Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung


Zusammenfassung

Automatisch aktivierte Stereotype können Wahrnehmung und Verhalten beeinflussen. Kontrollierte Informationsverarbeitung kann diese Effekte modifizieren oder ersetzen, wenn Wahrnehmung oder Verhalten von hoher persönlicher Bedeutung sind. Die Aktivierung von Stereotypen in sozialen Interaktionen kann dazu führen, dass sich Mitglieder einer Gruppe den stereotypen Erwartungen ihrer Interaktionspartner anpassen (sich-selbst-erfüllende Prophezeiungen) oder dass sie Leistungseinbußen erleiden (stereotype threat).

Die drei wichtigsten Vorurteilsarten beziehen sich auf die ethnische Zugehörigkeit (Rassismus), das Geschlecht (Sexismus) und das Alter (Altersvorurteile). Bei Rassismus und Sexismus unterscheidet man traditionelle und moderne Formen.

Soziale Diskriminierung kann erklärt werden durch die Persönlichkeit (Autoritarismus, Orientierung an sozialer Dominanz) und die Einstellungen (Vorurteile) der diskriminierenden Person sowie durch Intergruppenkonflikte und das Streben nach positiver sozialer Identität. Die Erfahrung von sozialer Diskriminierung kann für die Betroffenen bedeutsame physische und psychische Folgen haben.

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Kapitel 12

Methoden in der Sozialpsychologie: Befragungen und Experimente


Zusammenfassung

In der Psychologie als empirischer Wissenschaft stehen quantitative Methoden zur Datenerhebung und -auswertung im Vordergrund. Dabei werden psychologischen Sachverhalten Messwerte zugeordnet, die statistisch ausgewertet werden. Der Prozess der Messbarmachung abstrakter Begriffe wird als Operationalisierung bezeichnet.

Daten können mittels Befragung, Beobachtung oder computerinteraktiv erhoben werden. Zusätzlich stehen indirekte und nicht reaktive Verfahren zur Verfügung. Man unterscheidet deskriptive, korrelative und experimentelle Untersuchungsdesigns, die in Abhängigkeit von der Forschungsfrage ausgewählt werden sollten. Denn die Designs lassen unterschiedliche Interpretationsverfahren zu und haben somit einen unterschiedlichen Wert für die Erklärung von Ergebnissen.

Sowohl die Rahmenbedingungen als auch die Gestaltung des Untersuchungsmaterials können in Befragungen die Teilnahmebereitschaft von Probanden, die Offenheit der Antworten und die Ergebnisse beeinflussen.

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