Sozialpsychologie – Interaktion und Gruppe

Fragen und Antworten zum 1. Kapitel


Frage 1

Was besagt die Ähnlichkeitshypothese bei der Wahl von Vergleichsstandards?


Antwort zu Frage 1

Die Ähnlichkeitshypothese wurde von Festinger (1954) formuliert und besagt, dass man sich mit ähnlichen Standards vergleichen sollte, wenn das Ziel des Vergleichs eine akkurate Selbsteinschätzung ist. Festinger ging davon aus, dass nur ähnliche Standards diagnostische Informationen liefern würden. Anders ausgedrückt, sollten zur akkuraten Selbstevaluation laterale Vergleiche und nicht auf- oder abwärts gerichtete Vergleiche durchgeführt werden. Die Ähnlichkeitshypothese wurde von Goethals und Darley (1977) weiterentwickelt. Sie spezifizierten, dass weniger die Ähnlichkeit auf der Leistungsdimension selber, sondern insbesondere die Ähnlichkeit bezüglich Attributen, die die Leistung beeinflussen, für einen informativen Vergleich wichtig ist. So sollte man zur Einschätzung der eigenen Sportlichkeit z.B. Standards auswählen, die einem bezüglich Alter, Geschlecht, Trainingsumfang, etc. ähnlich sind.



Frage 2

Wie können sich aufwärtsgerichtete Vergleiche (Vergleiche, bei denen der Standard besser als man selber ist) auswirken und von welchen Faktoren hängt das ab?


Antwort zu Frage 2

Aufwärtsgerichtete Vergleiche können einen entweder motivieren und zu einer besseren Selbsteinschätzung führen oder demotivieren und eine schlechtere Selbsteinschätzung nach sich ziehen. Zur Assimilation kommt es z.B. eher, wenn der Standard moderat ist, zur selben Kategorie wie man selber gehört und die Leistung des Standards für einen selbst erreichbar erscheint. Kontrast entsteht dagegen eher, wenn der Standard extrem ist, einer anderen Kategorie angehört und nicht erreichbar ist.



Frage 3

Welche Mechanismen tragen dazu bei, dass soziale Vergleiche manchmal zu Assimilation des Selbst an den Standard und manchmal zu Kontrast führen?


Antwort zu Frage 3

Nach dem Model der selektiven Zugänglichkeit von Mussweiler (2003) liegt dem Vergleichsergebnis der Mechanismus der selektiven Suche nach Information zugrunde. Erscheint der Standard dem Selbst ähnlich, so wird selektiv Selbstwissen bezüglich der Leistungsdimension aktiviert, dass konsistent mit dem Standard ist (Ähnlichkeitstesten). Erscheinen Standard und Selbst dagegen unterschiedlich, so wird standardinkonsistentes Selbstwissen aktiviert (Unterschiedstesten). Da das Selbsturteil basierend auf dem aktivierten Selbstwissen gefällt wird, führt Ähnlichkeitstesten zu Assimilation an den Standard und Unterschiedstesten zu Kontrast vom Standard weg.



Frage 4

Welche Strategien kann man nutzen, um mit selbstwertbedrohlichen Vergleichen umzugehen?


Antwort zu Frage 4

Nach der Selbstwerterhaltungstheorie von Tesser (1988) kann man selbstwertbedrohliche Vergleiche abmildern, indem man mindestens einen der drei Faktoren Vergleichsergebnis, Wichtigkeit der Vergleichsdimension und Nähe zu dem Standard beeinflusst. So kann man versuchen, zukünftig die eigene Leistung zu erhöhen oder die Leistung des Standards zu vermindern. Man kann die Bedeutung der Vergleichsdimension herunterspielen oder anderen Dimensionen, auf denen man besser abschneidet, mehr Bedeutung zusprechen. Zudem kann man versuchen, sich von dem Standard physisch oder psychisch zu distanzieren, da negative Vergleiche mit nahe stehenden Personen selbstwertbedrohlicher sind.



Frage 5

Welche Vergleiche können zu einem subjektiven Gefühl der Unzufriedenheit führen?


Antwort zu Frage 5

Das Gefühl der subjektiven Unzufriedenheit, oder relative Deprivation, kann laut Runicman (1966) sowohl durch ungünstige Vergleiche mit anderen Individuen (egoistische Deprivation) als auch durch ungünstige Vergleiche zwischen der Eigengruppe und Fremdgruppen (fraternale Deprivation) entstehen. Besonders unzufrieden sollten sich Personen fühlen, bei denen beides zusammenkommt. Bei einer solchen doppelten Deprivation hat z.B. die Eigengruppe einen niedrigeren Status im Vergleich zu anderen Gruppen und zudem sind die Lebensbedingungen des Individuums ungünstiger als die der anderen Gruppenmitglieder. Darüber hinaus tragen Vergleiche mit Erwartungen oder Alternativwelten zur subjektiven Unzufriedenheit bei. Insbesondere wenn jemand nicht das bekommt, was ihm seiner Meinung nach zusteht oder was er in einer gerechten Welt bekommen sollte, fühlt er oder sie sich unzufrieden.



Frage 6

Wie können Vergleiche dazu beitragen, dass man sich an sozialen Protesten beteiligt?


Antwort zu Frage 6

Fallen Vergleiche zwischen der Eigengruppe und Fremdgruppen negativ aus, so kann dies zur Beteiligung an sozialen Protesten motivieren. Allerdings ist dieser Zusammenhang zwischen fraternaler Deprivation und kollektivem Handeln umstritten. Er scheint jedoch stärker zu sein, je stärker sich jemand mit der Eigengruppe identifiziert und je stärker tatsächlich ein subjektives Gefühl der Unzufriedenheit aus dem negativen Vergleich zwischen Eigen- und Fremdgruppe entsteht.



 

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