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Das Buch rückt erstmals das Leben und wesentliche Schriften des Leipziger Neurologen, Psychiaters und Wissenschaftspublizisten Paul Julius Möbius (1853-1907) in den Mittelpunkt. Von ihm geistert bis heute in der Allgemeinheit wegen seines Pamphlets «Ueber den physiologischen Schwachsinn des Weibes» oder seiner Pathografien über Goethe, Nietzsche und Schopenhauer das verzerrte Bild eines Misogyns und Populärwissenschaftlers herum. Erst wieder dem Vergessen entreißen muss der Autor dagegen die Beiträge Möbius' für die Nerven- und Seelenheilkunde. Deren Relevanz sahen bisher fast nur Möbius freundschaftlich gesonnene Kollegen wie Emil Kraepelin oder Adolf Strümpell. In ihrer Bedeutung wird nun endlich Möbius' Hysterie-Lehre öffentlich gemacht. Mit ihr postulierte er im deutschsprachigen Raum noch vor Sigmund Freud die Psychogenie einer Erkrankung und brach damit den funktionellen Krankheitsbildern Bahn. Ebenfalls auf die ätiologische und nosologische Ideengeschichte der Nervenheilkunde und Psychiatrie wirkte sich seine konsequent ursächliche Einteilung in endogene und exogene Erkrankungen aus. Auf Möbius als Wissenschaftler konnte schließlich seine menschliche Vereinsamung nicht ohne Auswirkung bleiben. Diese hatte mit seinem Ausscheiden aus dem akademischen Betrieb an der Medizinischen Fakultät begonnen. Über diesen Vorgang lagen bisher nur Mutmaßungen vor. Doch der Autor bringt endlich erstmals die Originalquellen bei und zeichnet vor dem Hintergrund der bedeutungsvollen Wissenschaftsentwicklung der Jahrzehnte um 1900 eine lebendige und einfühlsame Biografie.
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