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3. Göttinger Gespräche 2004
Die Vorstellung, dass für erzielte Schulleistungen ausschließlich Begabung und Intelligenz von Bedeutung sind, ist längst widerlegt. Der individuelle Lernfortschritt von Schülern wird ganz wesentlich auch von motivationalen Faktoren beeinflusst. Lehrer und Eltern erleben dies tagtäglich, insbesondere dann, wenn die gewünschte Mitarbeit im Unterricht ausbleibt oder die erhoffte Leistung nicht erreicht wird.
Wieder konnten namhafte Referenten für Vorträge gewonnen werden. Für Zusammenfassungen bzw. Begleitmaterialien zu den jeweils halbstündigen Vorträgen klicken Sie bitte hier:
Prof. Dr. Falko Rheinberg, Potsdam
• Ein Diagnoseschema zur Lernmotivation
Download PDF-Datei
Download Folie Diagnoseschema, PDF-Datei
Prof. Dr. Stiensmeier-Pelster, Gießen
• Die Bedeutung des Fähigkeitsselbstkonzepts für Lernmotivation und Schulleistung
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Dr. Almuth Wendt, Grosskrotzenburg
• Motiviert arbeiten, Ziele erreichen - durch Video-School-Training fördern
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Ziel der diesjährigen 3. Göttinger Gespräche war es daher, über die Fortschritte zum Thema Lernmotivation als Voraussetzung und Ziel erfolgreicher Leistungsentwicklung in der Schule zu informieren und mit den Teilnehmern und Gästen gemeinsam zu diskutieren, welche Diagnose- und Interventionsmöglichkeiten sich aus pädagogischer und psychologischer Sicht anbieten.
Ab der 3. Veranstaltung könne man von einer Tradition der „Göttinger Gespräche“ sprechen, so Gastgeber Prof. Marcus Hasselhorn zur Begrüßung der etwa 180 Gäste, die zum Teil schon zum dritten Mal an der Informations- und Diskussionsveranstaltung teilnahmen.
In der abschließenden Podiumsdiskussion am Nachmittag nahmen neben den Referenten Herr Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Würzburg, Frau Christa Engemann, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Baden-Württemberg und Herr Horst Roselieb vom Niedersächsischen Kultusministerium teil. Folgende Leitfragen standen im Vordergrund: Welche motivationalen Faktoren sind besonders wichtig? Und sind es die gleichen in der Primarstufe wie in der Sekundarstufe oder ändern sich diese im Verlauf der Schulzeit? Wie lassen sich relevante motivationale Merkmale beim einzelnen Schüler diagnostizieren? Was lässt sich schulorganisatorisch oder bei der Gestaltung von Unterricht tun, um ungünstige motivationale Merkmale abzubauen und günstige Merkmalskonstellationen bei Schülerinnen und Schülern aufzubauen?
Joachim Stiensmeier-Pelster hob u.a. die Bedeutung und Qualität des Feedbacks zum Leistungsverhalten der Schüler hervor. Beispielhaft führte er an, dass vermeintlich positives und unterstützendes Feedback bei „falscher Dosierung“ auch negative Auswirkungen auf die Lernmotivation der Schüler haben könne. So sei überschwängliches Loben für Leistungen, die für den Schüler ohne größere Anstrengung und Fähigkeit erbracht werden ebenso kontraproduktiv, wie das übermäßige Trösten bei verfehlten Leistungszielen. Trost werde eher bei vermuteter Geringbegabung ausgesprochen und nicht bei ungenügender Anstrengung. Dies spürten auch die Schüler. An den Begabungsvoraussetzungen lasse sich aber – im Gegensatz zur Anstrengungsbereitschaft - nichts ändern.
Christa Engemann betonte noch einmal, dass die Erkenntnis, dass nicht nur die kognitive Leistungsfähigkeit für Schulleistungen relevant sei, zwar trivial sei, aber dennoch häufig unberücksichtigt bliebe. Eine Ursache mangelnder Leistungsvoraussetzungen sei die ungenügende Passung von Anforderungen und individuellen Leistungsvoraussetzungen. Mit dem Programm „Schulanfang auf neuen Wegen“ sei in Baden-Württemberg ein ressourcenneutraler, neuer Weg in der Einschulungspraxis beschritten worden, um dem immer weiter ansteigenden Schuleintrittsalter durch den Abbau von Rückstellungen in Höhe von etwa 10% entgegenzuwirken und die Anzahl vorzeitiger Einschulungen, die nahe an 0% liegt, zu erhöhen. Eine Flexibilisierung des Schuleintrittsalters und der individuellen Verweildauer in der Schuleingangsstufe würde der Heterogenität der Schüler bei entsprechender Unterrichtsgestaltung besser entsprechen können. Auch in den vorschulischen Einrichtungen sei inzwischen die Abkehr von einer „Bewahrpädagogik“, in der der Kindergarten als weitgehend „leistungsfreie Zone“ galt, zu beobachten und zu begrüßen.
In Bezug auf die Frage nach dem Einfluss der Lernmotivation in Primar- und Sekundarstufe berichtete Wolfgang Schneider von Untersuchungsergebnissen, die zeigten, dass im Primarschulbereich der Intelligenzquotient, das Geschlecht und die soziale Herkunft der Schüler noch einen deutlicheren Einfluss habe als die individuelle Ausprägung der Lern- und Leistungsmotivation. Erst in der 5./6. Klassenstufe sei ein durchschlagender Effekt der Motivation auf die Schulleistungen zu beobachten.






