„Was uns beflügelt, ist der gesellschaftliche Nutzen, den wir mit unseren Produkten stiften.“

G.-Jürgen Hogrefe

faktor 03/2018

Familiär und international

Das Unternehmen Hogrefe wächst. In Göttingen. In Europa. Und darüber hinaus. Und die familiäre Atmosphäre? - Die wächst mit!

Betritt man den Hauptsitz der internationalen Verlagsgruppe Hogrefe in der Merkelstraße 3 in Göttingen, fällt gleich zweierlei auf. Das Gebäude besticht zum einen durch den Charme einer ausgeklügelten Mischung von liebevoller Restauration des Alten – der Holzdielen, der bunt verglasten Türenfenster, des Deckenstucks – und einer hochmodernen Einrichtung mit vielen Besonderheiten. Das Gebäude spiegelt damit die durch die Familie Hogrefe geprägte Unternehmenskultur wider, die sich gleichsam der Tradition wie auch der Moderne verpflichtet sieht. Zum anderen herrscht eine Atmosphäre familiärer Herzlichkeit und Offenheit, die den Arbeitsalltag bei Hogrefe prägt. Der Verlag, der in zweiter Generation durch G.-Jürgen Hogrefe geführt wird, feiert im kommenden Jahr bereits seinen 70. Geburtstag. 

Das Familienunternehmen zu leiten, empfindet der Geschäftsführer als Privileg: „Wir sind in der glücklichen Lage, langfristige Ziele verfolgen zu können. Ganz typisch für Familienunternehmen liegt auch bei uns der Fokus nicht auf Renditemaximierung, sondern auf der langfristigen Entwicklung und Stabilität des Unternehmens“, sagt G.-Jürgen Hogrefe. „Was alle bei uns dabei besonders beflügelt, ist, dass wir mit dem, was wir tun, mit unseren Publikationen und Produkten, gesellschaftlichen Nutzen stiften können.“




Das Unternehmen wird im Jahr 1949 von Carl Jürgen Hogrefe gegründet, um die Zeitschrift ,Psychologische Rundschau‘ publizieren zu können, mit der eine Kommunikationsplattform für das Fach Psychologie geschaffen werden soll. Diese starken Wurzeln in der Psychologie sind das Erfolgsrezept des führenden Wissenschaftsverlags in Psychologie, Psychotherapie und Psychiatrie, dessen Programm durch die Themen Pflege, Gesundheitswesen und Medizin ergänzt wird. Der Verlagsgründer und seine Frau Gisela Hogrefe, ebenfalls Psychologin, bilden von Anfang an eine Wirkungseinheit. Geschäftsführer G.-Jürgen Hogrefe, Sohn des Gründers, erzählt rückblickend: „Ich bin buchstäblich im Verlag aufgewachsen. Mein Elternhaus war zur Hälfte privater Wohnbereich und zur anderen Hälfte Verlagsbüro. Im Keller war das Lager und dort wurde auch gepackt. Der Verlag war in unserem Familienleben allgegenwärtig.“ 

So steigt er nach dem Studium der Psychologie in Salzburg zunächst als Mitglied der Geschäftsführung der Tochterfirma Hans Huber AG in Bern ins Unternehmen ein, fünf Jahre später leitet er diese. Im Jahr 1994 übernimmt G.-Jürgen Hogrefe dann in Göttingen die Geschäftsleitung von seinem Vater: „Ich bin da irgendwie reingeschlittert und habe es nie bereut.“ Seine Frau Brigitta Hogrefe hat ebenfalls im Fach Psychologie promoviert und ist im Group Executive Board aktiv.

Erfolgsrezept Psychologie: Gleich, ob es sich um psychologische Testverfahren, Fachbücher oder um Ratgeber handelt – Hogrefe ist Marktführer im Fachgebiet.

Mittlerweile ist bereits die dritte Generation in das Unternehmen eingestiegen. Antonia Hogrefe, ebenfalls Psychologin und seit 2017 Lektorin am Standort Bern, berichtet Ähnliches über ihre Kindheit wie ihr Vater: „Zwar war unser Familienunternehmen in meiner Kindheit als solches nicht sehr präsent, ‚der Verlag‘ hingegen war immer ein großer Teil unseres Lebens. Für mich war das einfach ein Ort voller Bücher und komischer Testkürzel, in dessen Lagerhallen wir uns die Zeit vertrieben, wenn wir unseren Vater zum Abendessen abholten.“ 

Auf die Frage, ob sie schon immer das Ziel hatte, in das Familienunternehmen einzusteigen, antwortet Antonia Hogrefe: „Es war immer der Wunsch da, durch meinen persönlichen Beitrag Wertschätzung, gegenüber dem großen Investment meiner Familie zu zeigen. Nachdem ich erlebt hatte, wie viel Herzblut mein Großvater und mein Vater in das Unternehmen steckten, war dies aber immer mehr ein Gefühl von Identifikation mit dem Unternehmen als ein klar definiertes Ziel. Die konkrete Idee, eines Tages in das Familienunternehmen einzusteigen, entwuchs meinem ersten richtigen Kontakt mit den Inhalten des Hogrefe Verlages im Rahmen eines Praktikums an unserem Standort in Oxford. Dies löste in mir eine Faszination für die wissenschaftliche Verlagsarbeit aus, welche mich für ein Psychologiestudium motivierte.“




Eine weitere Tochter, Sophie Luise Hogrefe, ist bereits seit 2014 am Standort Göttingen als Projektkoordinatorin im Corporate Office aktiv. Vorher schlägt diese einen ganz anderen Weg ein: „Da meine Jugend sehr stark vom Leistungssport geprägt war, fand ich mit dem Studium ‚Zeitgenössischer Tanz‘ an der Kunsthochschule Codarts in Rotterdam zunächst eine Möglichkeit, meinem Kunstinteresse, meiner Leidenschaft zur Bewegung und meiner Affinität zu Fremdsprachen weiter nachzugehen.“ Während ihre Schwester das Familienunternehmen über das Thema der Psychologie für sich entdeckt, findet Sophie Hogrefe durch die Beschäftigung mit Organisationsstrukturen Zugang zum Verlag. „Mit meinem Masterstudium ‚Kommunikations- und Kulturmanagement‘ öffnete sich plötzlich eine Tür in eine andere Welt für mich“, erzählt Sophie Hogrefe. Die Einführung und Umsetzung des neuen Markenauftritts der Hogrefe Verlagsgruppe eröffnet ihr dann die Möglichkeit, „kreativ, international und organisatorisch zu arbeiten“. „Durch das Marken-Projekt, welches buchstäblich in alle Bereiche der Verlagsgruppe hineingewirkt hat“, identifiziert sie sich heute stark mit dem Familienunternehmen. Friedrich Hogrefe, der Sohn des Geschäftsführers, macht aktuell seinen Abschluss im Medienbereich und wird ebenfalls in das Unternehmen einsteigen. Juliane Hogrefe, die älteste Tochter, arbeitet derzeit als Rechtsanwältin in Bern und steht ihrem Vater stets beratend zur Seite.

Vielfältige Karriereperspektiven: Auch außerhalb der klassischen Verlagsberufe ist das Unternehmen ein attraktiver Arbeitgeber – nicht nur für Psychologen.

Hogrefe wächst rasant. Allein in den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Mitarbeiter am Standort Göttingen weit mehr als verdoppelt. Ein Ende dieses Wachstums ist nicht in Sicht. Parallel dazu wächst die Gruppe auch international stetig. So ist der Verlag bereits an 15 Standorten weltweit präsent: in dreizehn europäischen Ländern sowie in den USA und Brasilien. Jüngst hinzugekommen sind die Tochterunternehmen in Spanien und Portugal: „Mit der Erweiterung der Hogrefe Gruppe durch die Verlagsaktivitäten von TEA und CEGOC dürfen wir uns heute mit Sicherheit als die Nr. 1 der Psychologieverlage in Europa ansehen“, sagt G.-Jürgen Hogrefe. Trotz des internationalen Wachstums bleibt der Verlag mit dem Stammhaus in der Merkelstraße und dem modernen Logistikzentrum in der Herbert-Quandt-Straße dem Standort Göttingen treu: „Wir sind ein Familienunternehmen, das auch in Zukunft von Göttingen aus geleitet werden wird“, so der Geschäftsführer.

Neben 2.400 Büchern in elf Sprachen, 1.600 eBooks und 41 Fachzeitschriften hat der Verlag 2.000 psychologische Testverfahren in 19 Sprachen im Programm, die beispielsweise in der klinischen Diagnostik, im Bildungsbereich und im Personalwesen Anwendung finden. Bereits 1953 bringt der Verlag den ersten Test auf den Markt – im Jahr darauf wird die Testzentrale als Vertriebsorganisation gegründet. Wenngleich auch heute noch viel mit ,Papier und Bleistift’ getestet wird, der Trend geht zur digitalen Nutzung, wofür Hogrefe eine eigene Plattform entwickelt hat – das webbasierte Hogrefe Testsystem (HTS 5). Seit 2012 ist Hogrefe auch als Consulting Unternehmen zum Einsatz der Testverfahren im Human Resources Management tätig. Zudem bietet der Verlag Seminare, Webinare und Inhouse-Schulungen an. 

Die eLibrary, eine elektronische Bibliothek, die alle Themenbereiche des Psychologiestudiums abdeckt, sowie Psychjob, die renommierteste Jobbörse für Psychologen, ergänzen das Angebot.

Der Verlag beschäftigt bald 100 Psychologen in allen Bereichen. Aber auch für Programmierer, kaufmännische Fachkräfte und medienaffine Verlagsmenschen hat das Unternehmen interessante Stellen zu bieten. „Wir können die unterschiedlichsten Fachkräfte an uns binden, da wir auch außerhalb der klassischen Verlagsberufe vielfältige Karriereperspektiven zu bieten haben“, so Mariele Walter, Leitung Human Resources. 

Die zunehmende Größe des Unternehmens scheint in keinem Widerspruch zu der familiären Atmosphäre zu stehen. Ebenso wie sich der herzliche Umgang durch alle Hierarchieebenen zieht, überträgt sich dieser auch auf die Zusammenarbeit mit den Tochterfirmen. „Ich meine, dass wir uns einen sehr persönlichen, quasi familiären Charakter erhalten konnten“, sagt G.-Jürgen Hogrefe zu Recht. Gemeinsame Aktivitäten wie zahlreiche Sportevents und regelmäßige Firmenfeiern sorgen für ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und eine hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Beim Gesundheitstag im Hause Hogrefe beispielsweise nimmt der Geschäftsführer ganz selbstverständlich an den angebotenen Sportkursen teil. Darauf  angesprochen, sagt dieser freundlich, fast empört: „Ich möchte doch auch etwas für meine Gesundheit tun.“ 

Der Hogrefe Verlag hat sich von einem kleinen Verlag im Privathaus zu einem internationalen Unternehmen mit 360 Mitarbeitern entwickelt und bleibt dank seiner Organisation als Familienunternehmen dennoch den Werten treu, die maßgeblich die Atmosphäre und auch den Erfolg des Unternehmens mitbestimmen.

 

 

 

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Quelle: faktor