ORCID verbindet Forschung mit Forschenden - namensunabhängig

 

Welche Autoren kennen das mühsame Aktualisieren ihrer Publikationslisten nicht? 
Welche Verlage wünschen sich keine sorgfältig gepflegten Autorendatenbanken, die exakte namensbasierte Suchergebnisse liefern und potentielle Gutachter leicht identifizieren?
Hätten nicht alle Fachgesellschaften, Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen gerne einen vollständigen Überblick über die Forschungsleistung ihrer Mitglieder?

Die Open Researcher und Contributor ID, kurz ORCID, vereint all diese Bedürfnisse in einem offenen Autorenidentifikationssystem.
Die Idee dahinter ist folgende: „Jede Person, die im wissenschaftlichen Arbeitsprozess einen Beitrag leistet, kann sich über die eindeutige ORCID-Kennung mit ihren Publikationen, Forschungsdaten und anderen Produkten des Forschungsprozesses (zum Beispiel Software) eindeutig vernetzen. Damit werden diese Objekte sichtbar und technisch verlässlich mit ihren Erschafferinnen und Erschaffern verbunden.“ [1]

Langfristig gültiger Identifikator im wissenschaftlichen Alltag

Weltweit sind bereits über 2 Millionen Publizierende mit ihren Aufsätzen und Forschungsdaten über eine eindeutige ORCID vernetzt. Ob Namensvariationen, Namensänderungen (z.B. durch Eheschließung) oder Namensmehrdeutigkeiten („Lieschen Müller“), die ID ist und bleibt eindeutig.

Abbildung: ORCID Mitglieder nach Art und Herkunft, Stand vom 26.05.2016 [2]

ORCID ist eine  gemeinnützige internationale Organisation mit Mitgliedern aus wissenschaftlichen Einrichtungen, Förderorganisationen, Bibliotheken und Verlagen (derzeit 500+). [2]
Finanziert wird ORCID durch diese Mitgliedsinstitutionen. Für den einzelnen Autor fallen keine Gebühren an.
ORCID ist somit auf dem besten Weg, ein langfristig gültiger Identifikator im wissenschaftlichen Alltag zu werden. Während er sich in Nordamerika schon etabliert hat und sich in anderen europäischen Ländern bereits nationale Konsortien zur Förderung von ORCID gebildet haben (53% der Mitglieder stammen aus Europa), steht Deutschland noch am Anfang. [2]

DFG-Projekt ORCID DE

Deshalb wurde am 01. Mai 2016 das DFG-Projekt „ORCID DE – Förderung der Open Researcher and Contributor ID in Deutschland“ ins Leben gerufen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat die Förderung des Projekts auf drei Jahre angelegt. Dabei stehen organisatorische, technische und rechtliche Fragen gleichermaßen im Fokus. Das Ziel ist, die Implementierung der ORCID an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu fördern und zu unterstützen.
Dazu gehört auch die Vernetzung und Verbreitung der ORCID im Bereich von Open Access Repositorien und die Verzahnung mit der Gemeinsamen Normdatei (GND). Die GND dient vor allem zur Katalogisierung von Literatur in Bibliotheken, wird zunehmend aber auch von Archiven, Museen, Projekten und in Web-Anwendungen genutzt.
Projektpartner sind die Deutsche Nationalbibliothek, das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro und die Universitätsbibliothek Bielefeld.

Wie kann ORCID das Verlagswesen positiv beeinflussen?

ORCID kann den Prozess der Manuskripteinreichung wesentlich vereinfachen, das Management der Autoren- und Gutachterdatenbanken verbessern und die Genauigkeit der Autorensuche oder namensbasierten Artikelsuche optimieren. [3]

Der Einreichungsprozess bei Hogrefe erfolgt für viele Zeitschriften über den Editorial Manager® (EM) von Aries. Aries hat ORCID bereits in den Editorial Manager® integriert.
Sobald eine ORCID mit einem EM Account verknüpft ist, kann der Nutzer über verschiedene Seiten und Verlage hinweg einen Login verwenden – vorher waren unterschiedliche Logins notwendig. Dies hat vor allem für Begutachter, die an vielen verschiedenen Zeitschriften arbeiten, einen zeitsparenden und erleichternden Effekt. 
Von den Verlagen wurde diese Single-Sign-On Option über ORCID bereits für mehr als 3.000 EM Journals aktiviert. Auch Hogrefe wird nach und nach ORCID Single-Sign-On als Login-Option in allen Zeitschriften implementieren. [4]

Autoren und Begutachter profitieren noch von weiteren Vorzügen einer ORCID. Da ORCID einen offenen Ansatz verfolgt, behalten Forschende ihre Datenhoheit und Kontrolle über ihre Forschungsleistungen. Sie können ihr Profil im Portal mit Publikationen, Details zur Finanzierung und Institution anreichern und zusätzlich den Grad der Sichtbarkeit für jede Publikation gesondert einstellen. Durch die Kooperation mit bibliografischen Datenbanken lassen sich Publikationen per Mausklick in das Profil hinzufügen. Die Nutzer können außerdem weitere Namensformen hinterlegen sowie Angaben zum Lebenslauf machen.
Dadurch kann die Verwendung einer ORCID-Kennung dazu beitragen, Betrugsfälle zu reduzieren und gleichzeitig eine größere und übersichtlichere Verbreitung zu erreichen. [5]

Beim elektronischen Publizieren zählen DOI-Registrierungsdienste wie CrossRef zu den digitalen Informationsinfrastrukturen, die mit ORCID vernetzt sind. Weitere Informationen zu CrossRef können im Artikel „Kompetenz im Online-Publizieren durch DOI und CrossRef“ nachgelesen werden. schw

 

 

Einzelnachweise:

[1] Pressemitteilung DFG-Projekt ORCID DE fördert die Verbreitung des Autorenidentifikationssytems ORCID in Deutschland (14.03.2016), abgerufen am 03.06.2016 von dini.de/fileadmin/projekte/2016_03_14_PM_German.pdf

[2] Webinar ORCID Town Hall: Europe, Middle East & Africa Region (26.05.2016), Webinar ID: 128-706-211, durchgeführt von ORCID Inc

[3] ORCID | For publishers, abgerufen am 03.06.2016 von orcid.org/organizations/publishers

[4] Aries Marketing. User’s problem solved thanks to ORCID Single-Sign-On in EM (08.10.2015), abgerufen am 03.06.2016 von www.ariessys.com/views-press/news-opinion/users-problem-solved-thanks-to-orcid-single-sign-on-in-em/

[5] Pampel, H. & Fenner, M. (2016). Orcid – Offener Standard zur Vernetzung von Forschenden, DOI: 10.1002/nadc.20164042239, abgerufen am 03.06.2016 von onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/nadc.20164042239/full

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