Eyetracking bei der Entwicklung der Online-Version des d2-R


Der d2 ist ein seit 50 Jahren bewährter psychologischer Papier-und-Bleistift-Test zur Messung der Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeitsleistung. Dieser Artikel beschreibt die Adaption der neuen Online-Version für PC und Tablet.

Tablet-Version des d2-R

Der Test d2 gehört als Papier-und-Bleistift-Verfahren aufgrund der vielfältig abgesicherten Testgütekriterien, der einfachen Anwendung und des geringen Aufwands an Zeit und Material zu den am häufigsten verwendeten psychodiagnostischen Verfahren in Deutschland.
Bei der Adaption der Revision des d2 (d2-R) in das digitale Format musste die Herausforderung bewältigt werden, sowohl die psychometrische Qualität als auch die Einfachheit der Anwendung zu erhalten. Zudem sollte der Online-Test optional über Maus- oder Fingereingaben durchgeführt werden können. Weiterhin sollte die Durchführung ohne die Anwesenheit eines Testleiters möglich sein.
Bei der Erzeugung des Interaktionskonzepts mussten unter Berücksichtigung der Anforderungen tragweite Designentscheidungen getroffen werden. Da einige Entscheidungen unsicher blieben, wurden bestimmte Gestaltungsvorschläge in einem voll-funktionsfähigen PC-Prototyp umgesetzt. Dieser Prototyp wurde in einer Usability-Studie mit Eyetracking eingesetzt. Die folgenden drei Fragestellungen wurden dabei bearbeitet:

  1. Ist eine konsequente zeilenweise Bearbeitung gewährleistet? Eindeutig Ja. Die gewählte Anordnung der Button-Matrix sorgt zuverlässig dafür, dass Testbenutzer die einzelnen Durchgänge zeilenweise bearbeiten. Es wurde kein einziges gegenläufiges Verhalten beobachtet.
  2. Ist eine Übungsphase erforderlich? Ja. Es sollte keinesfalls auf eine Übungsphase verzichtet werden. Testpersonen ohne Übungsphase zeigten Verständnis- bzw. Orientierungsprobleme. Ähnliche Probleme wurden bei Testpersonen mit Übungsphase nicht beobachtet. Die inhaltliche Analyse der Leseaktivitäten gab wertvolle Hinweise dazu, welche Passagen der Instruktion modifiziert bzw. gekürzt werden können.
  3. Ist das Zeitintervall von 20 Sekunden pro Durchgang richtig gewählt? Eindeutig Ja. Trotz intensiver Bemühung konnte eine trainierte Testperson mit überdurchschnittlicher Performanz das Zeitintervall nicht unterlaufen.

Die Ergebnisse wurden bei der weiteren Entwicklung des d2-R konsequent berücksichtigt. Die Übungsphase wurde fest verankert und die Instruktion verbessert, so dass die Testbearbeitung zügig und ohne Rückfragen ablaufen kann. Die überprüfte Buttonmatrix wurde 1:1 übernommen. Das Zeitintervall von 20 Sekunden pro Durchgang wurde beibehalten.
Der Test wurde anschliessend in 12 Sprachen normiert und wird in Deutschland vorraussichtlich Anfang 2016 auf den Markt kommen.

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In Kooperation mit Dr. Herbert A. Meyer,
artop - Institut an der Humboldt Universität.

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