Gesundheitsmanagement: Stärken- und Ressourcentraining

Zeit- und Leistungsdruck, Multitasking und Unterbrechungen gehören für viele mittlerweile zum Arbeitsalltag dazu. All das kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken und zu psychischer Erschöpfung, Nervosität sowie Reizbarkeit führen. Stress entsteht auch dann, wenn externe Anforderungen die eigenen Kompetenzen, Bewältigungsmöglichkeiten und Ressourcen übersteigen. Daher wird die Ressourcenförderung und Kompetenzentwicklung im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements immer wichtiger. Wie das gehen kann, erklären die Psychologen Annika Krick und Jörg Felfe im Interview.

Beschäftigte, die stehend eine Übung zur Dehnung der Nackenmuskulatur machen.
Ressourcenaktivierung stärkt unsere Gesundheit

Frau Krick, Herr Felfe, zusammen mit Professor Karl-Heinz Renner haben Sie ein Stärken- und Ressourcentraining entwickelt, das der Förderung der eigenen Gesundheitsressourcen und der Selbstfürsorge-Kompetenz dient. Wie funktioniert das?

Krick: Unser Stärken- und Ressourcentraining ist ein multimodales Training, das aus sechs wöchentlichen Terminen besteht. Es setzt auf drei Ebenen an:

  1. Ressourcenaktivierung auf Körperebene (Achtsame Körperentspannung und Körperwahrnehmung),

  2. Ressourcenaktivierung auf Gedanken- und Emotionsebene, sowie

  3. Achtsamkeit als besondere Ressource.

Insgesamt geht es bei dem Training also vor allem um die individuelle Verhaltensprävention. Es kann damit ein wesentlicher Baustein im betrieblichen Gesundheitsmanagement sein.

Im Training werden Möglichkeiten aufgezeigt, eigene Ressourcen besser wahrzunehmen, zu stärken und zu erweitern, um auch während der Arbeit besser für die eigene Gesundheit sorgen zu können. Diese Selbstfürsorge nennen wir Self-Care. Zusätzlich lernen die Teilnehmenden Wege kennen, ihre Konzentration und Aufmerksamkeit zu fördern, positive Gefühle und Gedanken aktiv zu nutzen sowie schwierige Gefühle und störende Gedanken besser zu beherrschen.

Was ist das Besondere an dem Training?

Felfe: Zum einen ist das Training vor allem sehr praktisch ausgerichtet und die Übungen lassen sich überall durchführen. Zum anderen berichten die Teilnehmenden, dass sie das Training als sehr abwechslungsreich erleben und einfach auch Spaß haben. Das bestätigen Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen.

Wer kann das Training durchführen, gibt es Möglichkeiten, sich ausbilden zu lassen, gibt es Materialien?

Krick: Für die Trainingsdurchführung ist es von Vorteil, ausreichend praktische Erfahrung v.a. mit dem Thema Achtsamkeit zu haben. Zusätzlich bieten wir Schulungen für Trainerinnen und Trainer, in denen sie eine fundierte theoretische und praktische Ausbildung für die Durchführung des Stärken- und Ressourcentrainings erhalten. Neben praktischen Übungen lernen die Teilnehmenden theoretische Grundlagen, den genauen Ablauf und einzelne Methoden des Stärken- und Ressourcentrainings kennen.

Zusätzlich ist unser Training als Manual erhältlich. Das dient als Grundlage und Unterstützung bei der Trainingsdurchführung. Es enthält alle wichtigen Informationen, wie Hintergründe und Grundlagen zum Training, den genauen Ablauf inklusive aller Instruktionen. Zum Manual gehört eine DVD mit allen Materialien, wie Flipcharts, Audio- und Videodateien, Arbeitsaufträge, Übungsblätter und Handouts. Das Audio- und Videomaterial sowie Übungsblätter und Handouts dienen gleichzeitig als Material für die Teilnehmenden selbst, um eine leichtere Umsetzung und Anwendung im Alltag zu erleichtern. Die Teilnehmenden können selbst entscheiden, welche Übungen am besten geeignet sind. Damit können sie eigenständig weiterüben. Im Idealfall werden die Übungen regelmäßig auch außerhalb des Trainings in den Arbeitsalltag integriert und in Eigenregie kontinuierlich weiter genutzt.

Wie wirkt das Stärken- und Ressourcentraining?

Felfe: In wissenschaftlichen Untersuchungen mit Polizisten und Bundeswehrangehörigen konnten wir zeigen, dass das Training auf positive Resonanz stößt und wichtige Impulse für die Trainingsteilnehmenden bringt. Zusätzlich zeigt sich, dass die Teilnehmenden nach dem Training achtsamer mit sich selbst umgehen, eine höhere Selbstfürsorge berichten und weniger Stress sowie körperliche Beschwerden hatten. Neben Effekten auf subjektive Erfolgskriterien, konnten wir ebenfalls Effekte auf der physiologischen Ebene zeigen: Die Herzratenvariabilität als Maß für die eigene Widerstandsfähigkeit veränderte sich positiv.


Annika Krick

Annika Krick hat Psychologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert. Seit 2014 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Seit 2015 ist sie als Trainerin des Stärken- und Ressourcentrainings tätig und führt seit 2018 Trainerausbildungen zum Stärken- und Ressourcentraining durch.

Kontakt: krick@hsu-hh.de


Prof. Dr. Jörg Felfe

Prof. Dr. Jörg Felfe hat Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum und an der FU Berlin studiert. 1991 folgte die Promotion an der FU Berlin. Nach der Habilitation 2003 war er bis 2010 Professor in Siegen. Seitdem hat er die Professur für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg inne.

Kontakt: felfe@hsu-hh.de


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