Standards der Psychotherapie

von Martin Hautzinger


Im Frühjahr 2017 erscheint im Hogrefe Verlag eine neue Buchreihe: Die Standards der Psychotherapie. Die Reihe ist an die bekannte und beliebte Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“ angelehnt. Anders als bei der Fortschritte-Reihe stehen aber nicht Störungsbilder im Vordergrund, sondern Therapiemethoden und -techniken, wie z.B. die Exposition.

Wir haben mit Prof. Dr. Martin Hautzinger, Mitherausgeber der Fortschritte- und der neuen Standards-Reihe, gesprochen.

 

Prof. Hautzinger, was hat den Anstoß für die neue Reihe gegeben? Wissen Sie noch, wie die Idee entstanden ist?

Ausgangspunkt war die Diskussion unter den Herausgebern der Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“ über bestimmte Buchprojekte. Die Frage dabei war immer wieder, ob ein Buchprojekt etwas mit „Fortschritt“ zu tun hat oder nicht. Entzündet hat sich das z.B. an der Frage, ob ein Buch zu so etwas Grundlegendem wie „Problem- und Verhaltensanalyse“ oder „Exposition und Konfrontation“ einen Titel für die Fortschritte-Reihe darstellt oder nicht. Wir kamen dann drauf, dass es in der Psychotherapie inzwischen eine Fülle von grundlegenden Verfahren, eben Standards, gibt, die in der Ausbildung vermittelt werden sollten und die tagtäglich in der psychotherapeutischen Praxis Anwendung finden. Fokussiert man nur auf Fortschritte und Neuentwicklungen, dann geraten diese psychotherapeutischen Grundlagen in Vergessenheit und es besteht die Gefahr, dass die Praktiker sowie die Dozenten der Ausbildungsgänge diese Inhalte auch nicht mehr kennen bzw. anwenden, was zu einem Qualitäts- und Erfolgsverlust von Psychotherapie beiträgt. Es war uns dann schnell klar, dass es dringlich ist, neben den Fortschritte-Bänden und natürlich auch neben den Ratgeber-Bänden eine Reihe zu den „Standards der Psychotherapie“ zu gestalten.

 

Was aus der Fortschritte-Reihe wird man in den „Standards der Psychotherapie“ wiederfinden? Wo liegen die wichtigsten Unterschiede zwischen den Reihen?

Wir wollen vor allem das bewährte und bei den Kunden sehr gut ankommende Format der Fortschritte-Reihe beibehalten. Also überschaubarer Umfang (ca. 120-140 Seiten), Kästen, Schaubilder, zusammenfassende Tabellen, Randspaltentexte, konkrete Anleitungen und praktische Tipps, Hilfen und Materialien. Die Texte sollen nicht mit wissenschaftlichen Zitaten und langen Literaturangaben überfrachtet sein, sondern die Autoren stehen als ausgewiesene Experten für die Inhalte und das Vorgehen.

 

Viele Therapietechniken können ja bei verschiedenen Störungen und Problemen eingesetzt werden. Welche Interventionen haben hier den breitesten Anwendungsbereich?

Natürlich gibt es diese Überlappungen, denn bei der Behandlung von z.B. somatoformen Störungen oder Verhaltenssüchten kommen natürlich grundlegende Methoden der Psychotherapie, doch auch neue zum Einsatz. Die grundlegenden Methoden sind dadurch ausgewiesen, dass sie eine breite Anwendung haben und von allen beherrscht werden sollten. Wir haben inzwischen eine Liste von über 25 Standards zusammengestellt, die im Laufe der Zeit als Buch in der Standardreihe erscheinen sollen. Sicherlich spielen Verfahren zur „Sozialen Kompetenz“, „Exposition und Konfrontation“, „Kommunikation und Interaktion“ oder „Kognitive Interventionen“ bei der Psychotherapie nahezu aller psychischen Erkrankungen eine Rolle. Wir sehen jedoch auch in der „Diagnostik“, „Evaluation“ oder „Ethik“ wichtige Standards für eine gelingende Psychotherapie.

 

Wird es zu diesen Techniken schon bald etwas zu lesen geben?

Die Reihe startet 2017 mit 3 Bänden zu den Themen „Problemanalyse und Therapieplanung“, „Exposition und Konfrontation“ und „Kognitive Interventionen“. Für 2018 und 2019 sind weitere Bände in Arbeit zu Themen wie „Selbstsicherheit und soziale Kompetenz“, „Gruppenpsychotherapie“, „Ethik und Psychotherapie“ oder „Evaluation in der Psychotherapie“.

 

Wird es auch Bände in der Reihe geben, die sich auf sehr spezifische Therapiemethoden beziehen, die nur bei wenigen Störungen in Frage kommen?

Das will ich nicht ausschließen, gehe jedoch davon aus, dass gerade bei besonderen Therapiemethoden für bestimmte Störungsbilder eher die Fortschritte-Reihe der geeignete Platz ist.

 

Gerade therapeutische Techniken sind ja mitunter sehr abhängig von der Therapieschule. Setzt die Reihe hier einen verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt? Oder können die Techniken beispielsweise auch von tiefenpsychologisch arbeitenden Therapeuten eingesetzt werden?

Prinzipiell ist die neue Reihe „Standards der Psychotherapie“ offen. Die zu beschreibenden Verfahren sollten jedoch (idealerweise) folgenden Kriterien genügen: Sie werden fast immer benötigt, erfahren breite, über alle Störungsbilder gehende Anwendung, haben eine überzeugende (experimentell begründete) theoretische Grundlage, haben Bezug zur biologischen und psychologischen Grundlagenforschung, sind evidenzbasiert bzw. Teil von wissenschaftlich untersuchten und damit für bestimmte Störungen indizierten Therapieprogrammen bzw. -vorgehensweisen. Durch die Orientierung der Verhaltenstherapie erfüllen die daraus hervorgegangenen Verfahren am ehesten diese Kriterien. Es stehen jedoch zahlreiche Verfahren bereit, die sich zu Standards entwickeln werden oder es bereits sind.

 

Die neue Reihe soll ja v.a. auch junge Therapeuten in der Ausbildung unterstützen, die noch wenig praktische Erfahrungen gesammelt haben. Wie praxisorientiert sind die Bände? Kann man sich eine therapeutische Technik „anlesen“?

Die Bände werden keine Lehrbücher oder theoretische Abhandlungen sein. Wir verlangen von den Autoren, dass sie in dem Verfahren ausgewiesene Experten sind, die Grundlagen, die Anwendung und die Empirie kennen. Mit diesem Hintergrund sollen fokussierte, relevante, praxisnahe und anwendbare Inhalte vorgestellt werden, damit Ausbildungskandidaten diese Inhalte gleich nutzen, Dozenten in den Ausbildungsinstituten die Inhalte zur Grundlage ihrer Lehre machen und erfahrene Praktiker sie zur Auffrischung und Erweiterung ihrer Praxis heranziehen können.

 

Wie profitieren erfahrene Therapeuten von der Standards-Reihe?

Erfahrene Psychotherapeuten können die Standard-Bände zur Fortbildung und Bestärkung des eigenen Handelns nutzen, aber auch zur Erinnerung bzw. Auffrischung von in Vergessenheit geratenen Interventionen oder als Begründungshilfe für Gutachten und Anträge. 

 

Die neue Buchreihe „Standards der Psychotherapie“

„Jede Psychotherapeutin und jeder Psychotherapeut sollte dieses ‚Standards‘ beherrschen und anwenden können!“ (Prof. Dr. Martin Hautzinger, Herausgeber)

Die „Standards“ präsentieren bewährte Vorgehensweisen, Methoden und Techniken erfolgreicher Psychotherapie und gehören somit zur Pflichtlektüre jeder/jedes angehenden Psychotherapeutin/Psychotherapeuten.

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