Und täglich grüßt die Prüfungsangst

von Dr. Franziska Preis

Gerade saß Luisa* noch mit einem Glas Wein gemütlich im Garten. Und plötzlich ist die Angst wieder ganz nah. Die Semesterprüfungen stehen bevor. Doch ist: gefühlter Stress + Aufregung = Prüfungsangst?

Schönes Studentenleben?

Ja und Nein: Leichtes Herzklopfen, innere Unruhe und leichte Schlafprobleme sind normale Anzeichen für ein mittleres Maß an Angst. Dieses Maß ist sogar förderlich für die Prüfungssituation. Die normale Anspannung führt dazu, dass Studenten die nötige Motivation zum Lernen aufbauen können. Ebenso ist die Anspannung wichtig für den Grad der Wachheit und Konzentration während der Prüfung. Von klinisch relevanten Prüfungsängsten spricht man erst, wenn die Ängste den Alltag und den Verlauf des Studiums deutlich beeinträchtigen. Dabei können Symptome sowohl auf der Gefühls- oder Verhaltensebene auftreten. Aber ebenso auf gedanklicher und körperlicher Ebene. Treten die Symptome sehr stark und häufig bzw. fast immer auf? Dann ist es ratsam, etwas dagegen zu tun. Die Frage ist nur: Was?

Maßnahmen gegen Prüfungsangst

Die Webseiten der Hochschulen bieten sehr vielfältige Hilfestellungen. Neben klassischen Einzelgesprächen bieten viele Universitäten regelmäßig stattfindende Workshops zum Thema Prüfungsangst an. Dabei werden neben Techniken zum Entspannen (wie die Progressive Muskelrelaxation) Prüfungssituationen simuliert und nützliche Tipps zur Angstbewältigung vermittelt. Doch was machen Studenten, die ihre Probleme vorerst nicht in einem direkten, persönlichen Kontakt besprechen möchten? Sie erhalten Alternativangebote. Zum einen werden klassische Ratgebertexte sowie wissenschaftlichen Studien zum Thema Prüfungsangst zum Download bereitgestellt. Dadurch eignen sich die Studierenden in Ruhe Wissen zum Thema Prüfungsangst selbstständig an. Zum anderen bietet beispielsweise die Freie Universität Berlin ihren Studierenden die Chat-Möglichkeit: Via eines Chats treten die Studierenden mit Psychologiestudenten des höheren Semesters zum Thema Prüfungsangst in Austausch. Doch kann auch der Chat für den ein oder anderen noch zu anonym sein. Studierende der Universitäten und Hochschulen in Köln, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz und Zürich können für diesen Fall bei der Nightline anrufen. Dies ist vor allem für diejenigen ein attraktives Angebot, die zunehmend zum Abend und in der Nacht mit den Symptomen der Prüfungsangst kämpfen.

Was sagt die Wissenschaft?
In der Wissenschaft werden zahlreiche Strategien thematisiert und hinsichtlich der Wirksamkeit überprüft. Als wichtig und wirksam haben sich dabei sechs Bereiche herauskristallisiert:
•    Motivationsstrategien,
•    Zeitmanagement und Arbeitspläne,
•    Lernstrategien und Gedächtnistechniken,
•    Entspannungstechniken und individuelle Verstärker,
•    kognitive Techniken zum Umgang mit hinderlichen Gedanken,
•    systematische Desensibilisierung als Technik der Spannungsreduktion während der Prüfung sowie
•    konkrete Vorbereitung auf Prüfungssituationen.

Vorbeugendes „Sich-Hilfe-holen“ für Situationen, die theoretisch Prüfungsangst erzeugen können, ist eher nicht sinnvoll. Besser ist dagegen ein enger Zeitbezug der Hilfestellung zu den anstehenden Prüfungen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Studierende erst einen Tag vor der Prüfung Hilfsangebote in Betracht ziehen sollten. Doch welcher Zeitpunkt ist am günstigsten? Generelle Empfehlungen können nur schwer gegeben werden. Der richtige Zeitpunkt für Hilfe hängt immer von den individuellen Ressourcen der Studierenden ab. Und ebenso von den personellen Ressourcen der jeweiligen Beratungsstelle, die Studierende aufsuchen.

Fazit: Das Studentenleben kann bereichernd und aufregend sein. Fragt man heutige Arbeitnehmer nach ihrer bisher schönsten Zeit im Leben, so bekommt man häufig die Antwort: „Als ich noch studierte“. Die Gründe für diese Antwort sind vielfältig. Damit möglichst viele Studierende später genau diesen Satz sagen können, braucht es zahlreiche Hilfsangebote. Angebote, die sich auch dem Thema Prüfungsangst widmen. Studierendenübergreifend und gleichzeitig ganz individuell. Denn schlussendlich findet jeder seinen eigenen Weg. Wie zum Beispiel Michaela, Studentin der Biochemie.

Ich habe immer Probleme, mir alle chemischen Strukturen einzuprägen. Und da hilft mir meine Leidenschaft fürs Schreiben. Ich baue dann meine Krimihelden einfach in die Strukturen mit ein. Die Geschichte kann ich dann laut lesen und merke mir so die Zusammenhänge viel leichter.

(Zitat aus: Erfolgreich Lernen. Effiziente Lern- und Arbeitsstrategien für Schule, Studium und Beruf)

 

(*fiktiver Name)

 
 

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