Fasten: Auswirkungen auf Körper und Psyche

Fasten wirkt auf Körper und Psyche. Es werden positive und negative Effekte beobachtet. Leider sind die individuell oft sehr verschieden. Und was genau physiologisch passiert, wenn über einen längeren Zeitraum auf Essen verzichtet wird, das ist auch nicht ganz klar. Die Studienlage ist schlicht nicht umfangreich genug. Was man dennoch sagen kann, fassen unsere Autorinnen Rahel Stocker und Emilie Reber zusammen.

Bild von Shutterstock
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Fasten wurde ursprünglich zur religiösen Reinigung der Seele und des Körpers benutzt. Mittlerweile hat es sich zu einem Gesundheitstrend entwickelt, und es sind viele verschiedene Fastenarten entstanden. Beispiele sind das Buchinger-Heilfasten bei dem über längere Zeit nur Gemüsebrühe und Säfte und getrunken werden. In den letzten Jahren sind vor allem die unterschiedlichen Formen des intermittierenden Fastens immer beliebter geworden. Dabei wechseln sich Phasen ohne Nahrungsaufnahme und Zeiten normaler Ernährung ab. Ein Beispiel ist die 16:8-Methode. In diesem Fall wird 16 Stunden lang auf Nahrung verzichtet, die verbleibenden acht Stunden wird normal gegessen.

Gefastet wird aus vielen Gründen: zum Gewichtsverlust, zur Steigerung des Wohlbefindens oder zur Behandlung von chronischen und akuten, beispielsweise rheumatischen oder kardiovaskulären, Erkrankungen.

Fasten beim Menschen ungenügend untersucht

Im Gegensatz zu ausgiebigen Untersuchungen bei Tieren sind die Auswirkungen des Fastens auf den Menschen relativ schlecht untersucht. Zwar zeigen die meisten Studien positive Effekte verschiedener Fastenarten hinsichtlich Krankheitsprävention und Gesundheitsmanagement.

So konnten beispielsweise positive Effekte des Fastens auf den Gewichtsverlust und auf kardiovaskuläre Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, nachgewiesen werden.

Doch die positiven sowie die negativen Effekte des Fastens sind weiterhin umstritten. Außerdem stehen die gesundheitsfördernden Aspekte des Fastens den als eher schädlich dargelegten Auswirkungen auf Körper und Psyche gegenüber. Damit ist die therapeutische Indikation des Fastens besonders kritisch zu sehen. Denn die genauen Mechanismen des Fastens sind noch nicht abschliessend geklärt.

Neben der Wirksamkeit sind aber auch Sicherheitsaspekte bei einer möglichen therapeutischen Indikation des Fastens kritisch zu bedenken. Längere und exzessive Hungerphasen können Begleiterscheinungen wie z.B. Anämie, starkem Gewichtsverlust, Infektionen oder Delirium zur Folge haben. Zu beachten ist auch, dass die sportliche Leistung durch Fasten eingeschränkt wird. Fastenperioden von 8 bis 10 Stunden können bereits kognitive wie auch physische Leistungseinbussen bewirken.

Auswirkungen einer Fastenwoche

Wir haben mit unseren Kolleginnen und Kollegen die Auswirkungen des Fastens auf den Körper und die Psyche untersucht. Zu diesem Zweck hat eine Gruppe gesunder Freiwilliger, zehn Frauen und zwei Männer, während einer Woche gefastet.

Während der Fastenwoche haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur vorgeschriebene Mengen an Gemüse- und Obstsäften zu sich genommen. Dabei wurden verschiedene Parameter gemessen: Gewicht, Blutdruck, Hunger- und Kältegefühl, Antriebskraft, Stimmungslage und Schlafqualität. Zugleich wurden die Nebeneffekte des Fastens aufgenommen; darunter waren Mundgeruch und Kopfschmerzen. Nach der Fastenwoche waren die Auswirkungen individuell sehr unterschiedlich. Acht Teilnehmer fühlten sich besser als davor, die anderen vier spürten keine Veränderungen.

Bessere Stimmung aber auch reizbarer

Im Durchschnitt nahm die Antriebskraft zu und die Stimmungslage erhellte sich während der Fastenzeit. Die Reizbarkeit beziehungsweise die innere Spannung nahm durchschnittlich ebenfalls zu. Schlafqualität und -dauer schwankten während der Fastenzeit sehr. Kopfschmerzen und Übelkeit traten zu Beginn häufig auf, Sehschwäche nahm mit zunehmender Fastendauer zu. Mundgeruch und ungewöhnlicher Körpergeruch wurden die ganze Fastenzeit über wahrgenommen. Ebenso waren Konzentrationsschwäche und intensive Träume über die ganze Fastenzeit in unterschiedlichem Ausmass feststellbar.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Fastenwoche einen signifikanten Effekt auf das Gewicht und den arteriellen Blutdruck zu haben scheint. Die subjektiven Nebeneffekte sind allerdings individuell sehr verschieden. Gemäss der aktuellen Datenlage sollten kranke Menschen außerdem nicht länger als 3 bis 5 Tage fasten.

Lesen Sie mehr über die oben beschriebene Pilotstudie in der aktuellen Ausgabe von Praxis. Der Artikel Fasten – Auswirkungen auf Körper und Psyche steht für begrenzte Zeit umsonst als Free Access zur Verfügung.


Die Autorinnen

Emilie Reber ist eidgenössische diplomierte Apothekerin und PhD Kandidatin im Departement für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus des Universitätsspital Bern. Sie ist in der Forschung, im Bereich der Mangelernährung und des Managements von mangelernährten Patienten, tätig.


Rahel Stocker ist Medizinstudentin an der Universität Bern. Sie forschte im Rahmen ihrer Masterarbeit beim Departement für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus des Universitätsspital Bern über die ketogene Diät und den Fastenmetabolismus.




  • Ressort Medizin/Gesundheitswesen
  • Fasten