Tödliche Gefahr

 

Mit Pilzen leben wir normalerweise im natürlichen Gleichgewicht zusammen. Wir bemerken sie gar nicht. Ist unsere Immunabwehr aber aus irgendeinem Grund geschwächt, nehmen sie überhand, machen uns krank und werden für uns mitunter lebensbedrohlich.

Im menschlichen Körper auf Schleimhäuten wie auch in der Umwelt am Boden bzw. in der Luft leben Pilze, ohne dass sie die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen. Das gesunde menschliche Immunsystem hält deren übermässige Ausbreitung im Körper in Schach.


Zu einer invasiven Pilzerkrankung (Mykose) kommt es entweder durch Infektion mit einem krankmachenden Pilz (primäre Mykose) oder durch übermässige Ausbreitung eines schon vorhandenen Pilzes (sekundäre Mykose). Primäre Mykosen sind in Mitteleuropa wenig verbreitet, hierzulande sind vielmehr die sekundären Mykosen ein Problem. Diese können sich bei immungeschwächten Personen ungehindert ausbreiten. Das betrifft u.a. Immunsupprimierte wie z.B. Patienten nach Organtransplantation, Unterernährte, Aidskranke, Krebspatienten, Patienten mit Blutkrankheiten, Diabetes, COPD, Patienten unter langdauernder Antibiotika- oder Kortisontherapie. Auch alte Patienten können betroffen sein, denn das Immunsystem wird mit steigendem Alter schwächer. Verantwortlich für diese sekundären Mykosen sind hauptsächlich Hefe- (Candida sp.) und Schimmelpilze (Aspergillus sp.) die in der Umwelt sehr verbreitet sind. Candida-Mykosen entstehen meist innerlich (endogen), ausgehend von einer körpereigenen zunächst harmlosen Besiedelung der Schleimhäute. Schimmelpilzinfektionen haben dagegen ihren Ursprung in äusserlichen (exogenen) Streuquellen, werden eingeatmet und entwickeln sich daher primär in der Lunge. Systemische (im ganzen Körper) Candidosen sind zu 20-50% tödlich, Aspergillosen zu 50-80%. Gegen beide gibt es Medikamente, die je nach Präparat und Region wegen Resistenzen nicht mehr wirksam sind [1].

Diagnose
Die Zeichen einer invasiven bzw. in den Körper eindringenden Pilzinfektion sind häufig unspezifisch. Um einem Pilz auf die Spur zu kommen, muss nach Ausschlussverfahren und mit Laboruntersuchungen gearbeitet werden. Diese umfassen Mikroskopie, Kultur, Serologie (Biomarker) und Molekularbiologie. Je nach Mykose und je nach Infektionsort (Schleimhaut oder invasiv) werden andere Methoden gewählt. In den letzten Jahren haben neue Entwicklungen bei serologischen und molekularbiologischen Methoden die Diagnostik erheblich verbessert und erlauben z.T. die Diagnosestellung, wo dies früher nicht möglich gewesen wäre [2].

Haut- und Nagelpilze

Übeltäter bei Haut- und Nagelpilzen, auch Tinea genannt, sind meist sogenannte Dermatophyten. Häufigste Übertragungswege verlaufen via (Haus)Tiere (Zwischenfingerpilz), von Mensch zu Mensch via z.B. Badezimmer oder Duschanlagen (Fuss- und Nagelpilze), etwas seltener via Boden z.B. bei Gartenarbeit (Handpilz). Dermatophytosen sind auf der Haut meist rund, haben einen äusseren roten, schuppenden Rand und sind nach innen blasser. Es gibt einige Hauterkrankungen, die ähnlich aussehen, sodass auch hier via Ausschlussverfahren und Labor (Kultur) letztlich die Diagnose gestellt wird. Bei Nagelpilzen braucht die Kultur zur Bestimmung der Pilzart vier Wochen, weil diese Pilze sehr langsam wachsen. Das lohnt sich aber in jedem Fall, weil die Therapie im positiven Fall dann aus einer monatelangen Antimykotika-Kur besteht und im negativen Fall nicht unnötig durchgeführt wird. Unbehandelte Nagelpilze können auf andere Körperteile streuen und erhöhen das Ansteckungsrisiko von Mitbewohnern [3]. vh



  1. Lass-Flörl C: Epidemiologie von Pilzerkrankungen. Therap Umschau 2016; 73 (8): 443-447.
  2. Bosshard PP: Diagnostik von Pilzinfektionen. Therap Umschau 2016; 73 (8): 449-455.
  3. Borelli S, Lautenschlager S: Dermatophyten-Infektion der Haut und der Nägel. Therap Umschau 2016; 73 (8): 457-461.

 

Unsere Empfehlung

 

Ausführliche Informationen zu diesen und weiteren Themen wie "Pilzerkrankungen" sind für Sie in diesem Heft der Therapeutischen Umschau  (http://econtent.hogrefe.com/toc/tum/73/8) zusammengestellt.

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