Telemedizin - drahtlose Rettung

Frau H. fühlt sich schwindlig und misst mit dem Telemonitoring-Blutdruckmesser ihren Blutdruck. Dieser ist zu niedrig und sendet via Gerät kabellos eine Nachricht an den Telearzt, der sich telefonisch zuschaltet und gegebenenfalls weitere Schritte einleitet. Raumschiff Enterprise? Mitnichten. Eine Pilotstudie des Unispitals Zürich testet die Akzeptanz einer digitalen Fernüberwachung von über 50-jährigen Patienten, die zuhause leben [1].

 

Aber nicht nur die Überwachung von Körperfunktionen von erkrankten Patienten kann über ferne Distanzen digital erfolgen, sondern auch die frühere Erkennung von sich anbahnenden Katastrophen.

Früherkennung von Depressionen via App
Beispielweise Depressionen lassen sich via App früh erkennen und können dem Betroffenen möglicherweise den Fall in ein tiefes Loch ersparen. Und dies, ohne dass der Benutzer aktive Eingaben machen muss.

Depressionen beginnen oft schleichend und das frühzeitige Erkennen erster Symptome ist für den Verlauf der Krankheit entscheidend. Die sich in Entwicklung befindende MOSS(Mobile Sensing and Support)-App setzt hier an: Mit der Erfassung verschiedener Lebensbereiche wie Sozialkontakte (Anzahl Anrufe, SMS) oder Bewegung (zu Fuss) erkennt MOSS, dass ein Nutzer in den letzten Tagen das Haus nur selten verlassen hat und kaum noch soziale Kontakte pflegt. MOSS gibt dann auf verhaltenstherapeutischen Grundlagen basierende Empfehlungen zu den Bereichen Körper, Gedanken, Entspannung und Soziales ab. Hier würde MOSS z.B. vorschlagen, einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen oder sich bei einem Freund zu melden, um mit positiven Aktivitäten die Symptome zu überwinden. Wenn MOSS Anzeichen von Stress oder Anspannung erkennt, bietet es beispielsweise ein Audiofile mit Entspannungsübungen an.

Die App läuft selbstständig im Hintergrund, die Nutzer müssen aktiv keine Eingaben machen. Das könnte für die Akzeptanz und Effekt entscheidend sein, die in einer Studie aktuell getestet werden [2].

Schlaganfall besser überleben
Dank der modernen digitalen Übermittlungs-Technologie lässt sich auch die ärztliche Behandlung von Schlaganfällen optimieren. Beim Schlaganfall ist Zeit der wichtigste Faktor. Je schneller ein Schlaganfall-Patient medizinisch adäquat versorgt werden kann, desto höher ist die Chance, diesen unbeschadet zu überstehen. Das ist z.B. in ländlichen Regionen von Bedeutung, die von Schlaganfall-Zentren mit deren neurologischen Spezialisten weit entfernt sind. In der Ostschweiz ist deshalb ein Schlaganfallnetzwerk entstanden, das eine telemedizinische Versorgung durch Spezialisten anbietet. Damit verbessert z.B. sich die Prognose der 79-jährigen, auf dem Dorf lebenden Frau E., deren Ehemann eine halbseitige Lähmung an ihr entdeckt und den Hausarzt alarmiert hat. Dieser lässt die Frau mit dem Rettungswagen ins nächstgelegene Landspital einliefern. Das Landspital kontaktiert den neurologischen Kaderarzt des Schlaganfallzentrums im Kantonsspital St. Gallen über das baldige Eintreffen von Frau E. Der Neurologe begleitet den Dienstarzt im Landspital telemedizinisch bei der Untersuchung und der Beurteilung. Die aus der Ferne steuerbare Kamera und ein Raummikrophon ermöglichen eine hochwertige Video-Tonübertagung. Mit diesem System konnte im Netzwerk die Zeit vom Eintritt des Patienten bis zum Behandlungsbeginn um einen Drittel reduziert werden [3].                  vh

 

Die ausführlichen Artikel finden Sie in der Therapeutischen Umschau "Telemedizin".

 

 

 

 

 

 

 

Literatur:

1. Schmidt-Weitmann S, Buser J, Baumann D, et al.: Akzeptanz und Machbarkeit von medizinischem Telemonitoring plus individueller Teleberatung – 2-jähriges Forschungs- und Entwicklungsprojekt am Universitätsspital Zürich, Therapeutische Umschau 2015; 72, 541-547.
2. Weidt S, Wahle F, Rufer M, Hörni A, Kowatsch T: MOSS: Mobile Sensing an Support. Mit einer App depressive Verstimmungen erkennen und Betroffenen helfen. Therapeutische Umschau 2015; 72, 553-555.
3. Siebel S, Berger C, Kägi G: Telemedizinische Schlaganfallversorgung in der Ostschweiz. Therapeutische Umschau 2015; 72, 557-560.