Gefahr im Garten

Gartenarbeit hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Jung und Alt. Aber im Garten lauern leider auch Gefahren. Das beweist jedes Jahr die Unfallstatistik. Was passieren kann und wie Sie vorbeugen können, zeigt unsere Autorin Jolanta Klukowska-Rötzler am Beispiel der Schweiz.

Gartenarbeit / Bild von Shutterstock
Gartenarbeit / Bild von Shutterstock

Gärtnern ist eine der häufigsten Freizeitaktivitäten unter Senioren und auch in der Schweiz ein beliebtes Hobby. Eine Statistik über Freizeitaktivitäten in der Schweiz zeigte, dass 41,1 % der Befragten wöchentlich gärtnern oder heimwerken, weitere 13,1 % sogar täglich.

Gärtnern ist gut für Körper und Geist

Verschiedene Studien untersuchten den Effekt auf Körper, Geist und Wohlbefinden bei Erwachsenen und bestätigen, dass Menschen höheren Alters von Gartenarbeit profitieren. Die Korrelation zwischen Gartenarbeit und Gesundheit wurde in unterschiedlichen Aspekten erforscht, wie beispielsweise Linderung von Depressionen und Stress, Gewichtsreduktion, Zunahme der Lebensqualität, interpersonale Kontakte sowie mehr Körperaktivität.

Unfälle bei der Gartenarbeit

Pro Jahr werden ungefähr eine Million Nichtberufsunfälle in der Schweiz registriert, davon ereignen sich etwa 600 000 zu Hause oder während der Ausübung eines Hobbys, einschließlich 16 000 Unfällen bei der Gartenarbeit.

Hobbygärtner haben fast das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun. Ob beim Laubblasen, Heckenschneiden, Kettensägen, Rasenmähen oder bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln – überall lauern vielerlei Verletzungsgefahren. Ein Großteil der Unfälle geschieht dabei aufgrund von Unachtsamkeit und Leichtsinn. Man sollte besonders beim Umgang mit Leitern, Schneide- und Sägewerkzeugen aufpassen: In Schweizer Gärten passieren jedes Jahr leider auch schwere Unfälle durch Leitersturz oder Schnittverletzungen.

Männer häufiger betroffen als Frauen

Laut aktuellen Studien des Inselspital Bern, erleiden vorwiegend Erwachsene mittleren Alters Freizeit-Gartenarbeitsunfälle, Männer kommen deutlich häufiger auf die Notfallstation. Die Patienten präsentieren sich mit vorwiegend monotraumatischen Verletzungen, die ambulant behandelt werden können.

Viele Augenverletzungen und Hautwunden

Diese Datenlage führt zu der Annahme, dass es sich bei einem Großteil der Fälle um Bagatellunfälle handelt; beklagt werden vorwiegend Augenverletzungen und Hautwunden.

Patienten mit kombinierten Verletzungen und Polytraumen präsentieren sich am häufigsten mit Frakturen. Zudem handelt es sich größtenteils um Verletzungen an Augen, Finger, Kopf und Gesicht. Bei Augenverletzungen handelt es sich um den häufigsten Unfallmechanismus, gefolgt von Schnittverletzungen, Stichverletzungen und Schürfwunden sowie Sturz- und Stolperereignisse.

Prävention: Verletzungen müssen nicht sein

Mit einfachen Präventionsmaßnahmen kann man dutzende Verletzungen im Garten verhindern:

  • Augenverletzungen durch das Tragen von Schutzbrillen; sie schützen Augen vor Hieben und Schlägen, Fremdkörpern und Flüssigkeiten.

  • Hautverletzungen durch das Tragen angemessener Kleidung und von Handschuhen. Handschuhe sind unentbehrlich im Kontakt mit Pflanzen oder beim Gebrauch von Werkzeugen. Bei Arbeiten mit motorisierten Gartengeräten immer Schutzausrüstung, inklusive Gehörschutz, Gesichts- und Augenschutz tragen!

  • Stürze vermeiden durch gutes Schuhwerk und Ordnung im Garten. Gutes Schuhwerk gewährleistet eine sichere Bodenhaftung und Rutschfestigkeit. Geräte und Werkzeuge sind Stolperfallen und sollten aufgeräumt werden – besonders gefährlich sind solche mit scharfen Kanten und spitzen Zinken.

  • Rückenprobleme durch richtige Arbeitsposition vermeiden. Ein Garten bedeutet viel Arbeit auf den Knien. Um diese Arbeiten zu erleichtern, gibt es Knieschützer. Damit lassen sich auch Rückenprobleme vermindern.


Einen ausführlichen Open Access Artikel zum Thema „Unfälle durch Gartenarbeit – Bagatelle oder Ernst? Eine retrospektive Analyse über fünf Jahre im Universitären Notfallzentrum des Inselspitals Bern“ finden Sie in der aktuellen Ausgabe unserer Fortbildungszeitschrift Praxis. Ärztinnen und Ärzte lesen Praxis vom Studium über die Assistenzjahre bis in die eigene Praxis. Originalartikel, Mini-Reviews, Praxis-Fälle und die klinischen Kurzstandards sind Peer-reviewed; CME-Artikel werden von SGAIM und SGUM als Fortbildung anerkannt und zeichnen sich durch ihren hohen Praxisbezug aus.


Dr. Jolanta Klukowska-Rötzler

Dr. Jolanta Klukowska-Rötzler wurde 1972 in Polen geboren. 1996 hat sie ihren M.Sc. in Genetik an der Naturwissenschaftlichen Universität in Poznań (PL) abgeschlossen. Danach folgte 1997 das Nachdiplomstudium an der ETH Zürich und 2002 der PhD in Molekulargenetik in Poznań.

Seit 2002 ist in der Schweiz in präklinischen und klinischen Studien tätig. Nach dem Abschluss von CAS Koordination von Klinischen Studien hat sie die Leitung des Forschungsteams im Universitären Notfallzentrum Inselspital Bern übernommen.

Wissenschaftliche Arbeit: Public Health mit Schwerpunkt Notfallmedizin und Prävention.


  • Ressort Medizin/Gesundheitswesen
  • Unfallprävention