Gemeindenahe Pflege

von Andrea Weskamm

 
Auch in Deutschland steigt der Bedarf an innovativen pflegerischen Konzepten, besonders in der Gesundheitsförderung und Prävention. Benötigt werden Strategien im Umgang mit Pflegebedürftigkeit, Demenz, chronischen Krankheiten und Multimorbidität. Die 2004 durch das Krankenpflegegesetz eingeführte Berufsbezeichnung „Gesundheits- und Krankenpflege“ macht deutlich, dass der Gesetzgeber den Pflegenden eine professionelle Rolle in der Gesundheitsförderung und Prävention zumisst.

Vor dem Hintergrund des epidemiologischen und demographischen Wandels werden familien- und gemeindezentrierte Konzepte wichtig, die das soziale Umfeld der Betroffenen berücksichtigen und Angehörige, Nachbarn und Freunde von Anfang an einbeziehen. Letztlich entscheidet das soziale Umfeld darüber, ob es gelingt, tragfähige häusliche Pflegearrangements zu installieren. Misslingt das, bleibt oft nur der Umzug in eine Einrichtung der stationären Altenhilfe.


Diese beiden Elemente „Gesundheitsförderung/ Prävention“ und „Familie“ spielen im Handlungsfeld der Family Health Nurse/ Familiengesundheitspflege eine bedeutende Rolle. 1999 von der Weltgesundheitsorganisation ins Leben gerufen, ist das Konzept „Gesundheit 21 – Gesundheit für alle“ immer noch aktuell. Die WHO weist speziell qualifizierten Pflegefachpersonen und Hebammen (sogenannten Familiengesundheitspflegenden/-hebammen – FGP/FGH) eine Schlüsselrolle in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu. Das eigens dafür konzipierte WHO-Curriculum qualifiziert für diese Aufgabe. FGP/FGH mit dem Schwerpunkt Gesundheitsförderung und Prävention nehmen alle Familienmitglieder in den Fokus. So wird die häusliche Pflege mit der Zielgruppe „Familie“ mit dem Public-Health-Ziel „Gesundheit“ (WHO 2000) verbunden.

 

Weiterbildung Familiengesundheitspflege (DBfK)

 Seit 2005 bietet der DBfK die Weiterbildung „Familiengesundheit für Pflegende und Hebammen“ nach dem WHO-Konzept „Family Health Nursing“ an. Erste Kurse liefen in München und Essen, die Weiterbildungsstandorte Stuttgart (DBfK-Regionalverband in Kooperation mit dem Marienhospital) und Itzehoe (Akademie für Gesundheitsberufe AGS) kamen dazu.

Familiengesundheitspflegende/-hebammen finden Tätigkeitsfelder z.B. in Beratungseinrichtungen, ambulanten Pflegediensten, Drogenambulanzen, Reha-Kliniken, ÖGD, Entlassungsmanagement und projektbezogen (z.B. Projekte der Frühen Hilfen), im Casemanagement oder im Auftrag des Sozial- oder Jugendamtes. Ein Rahmenvertrag zwischen DBfK und BARMER GEK ermöglicht eine freiberufliche Perspektive: pflegende Privatpersonen können über 7 Monate bis zu 21 Stunden Unterstützung nach dem Konzept der Familiengesundheitspflege erhalten.
Die Weiterbildung „Familiengesundheitspflege“ umfasst 720 Stunden. Sie ermöglicht eine Spezialisierung für die aufsuchende, salutogenetisch und systemisch orientierte Arbeit mit Einzelpersonen, Familien und Gruppen. Sie richtet sich an Pflegefachpersonen und Hebammen, dauert berufsbegleitend zwei Jahre und ist in Modulen aufgebaut.

Die einzelnen Module der Weiterbildung sind:

  • Einführung in die Familiengesundheitspflege
  • Public Health
  • Arbeit mit Familien
  • Gesundheitsförderung und -beratung
  • Entscheidungsfindung und Problemlösung
  • Informationsmanagement und Forschung
  • Case-Management
  • Multidisziplinäres Arbeiten.

 

Derzeit gehen die Überlegungen dahin, die Weiterbildung zu akademisieren. Nicht zuletzt führt die fortschreitende Akademisierung in der Pflege dazu, dass es für interessierte Pflegefachpersonen sinnvoller ist, einen akademischen Abschluss zu erwerben, als in einen Weiterbildungsabschluss zu investieren. Ausdruck davon ist, dass es zunehmend schwerer wird Teilnehmende für die Weiterbildung zu finden. Der zuletzt angebotene Kurs 2015 in Berlin konnte bedauerlicherweise nicht starten, da die erforderliche Anzahl von Teilnehmenden nicht akquiriert werden konnte. Das Kompetenzzentrum Familiengesundheitspflege (angebunden an den DBfK Bundesverband) beobachtet den Markt und die Nachfrage nach der Qualifizierung zur Familiengesundheitspflege. Wenn sich Interesse an der Weiterbildung entwickelt, dann kann auch – auch kurzfristig – ein Weiterbildungsangebot unterbreitet werden. Alle Informationen zu dem Handlungsfeld und den aktuellen Entwicklungen im Kompetenzzentrum sind unter www.dbfk.de und www.dbfk.de/de/themen/Familiengesundheitspflege.php zu finden.

 

  • Familiengesundheitspflege