Pflegeklassifikationen

Pflegediagnosen, -interventionen und -ergebnisse manifestieren die Fachsprache der Pflege: "If we cannot name it, we cannot control it, practice it, teach it, finance it, or put it into public policy." Dieser Satz der Pflegewissenschaftlerin Norma Lang mahnt weiterhin die professionelle Pflege, ihren Problemen, Handlungen und Ergebnissen eine Sprache zu geben und damit der Berufsgruppe eine hörbare Stimme zu verleihen. Diesen Auftrag nimmt der Hogrefe Verlag Bern ernst und publiziert seit Jahren differenzierte Titel rund um den Pflegeprozess. Mit der Datenbank "Nursing Classification Data Base" (NCDB) präsentiert der Verlag die Pflegeinterventionsklassifikation (NIC) und die Pflegeergebnisklassifikation (NOC) als IT-gestütztes Klassifikationssystem.

Längst entwickelt sich die professionelle Pflege zu einer eigenständigen Disziplin im Kanon der Wissenschaften. Was aber ist das Wissen der Pflege? So komplex die Situationen der Pflege, so vielfältig die Antworten auf die Frage und so spannend die Diskussionen dazu! Dieses Wissen zu erkennen, zu benennen, zu ordnen und zu klassifizieren ist Gegenstand der Diskurse der scientific community der Pflegewissenschaft. Pflege ist Kunst und Wissenschaft mit wachsendem Wissensbestand. Als Kunst zeigt sich Pflege in der Fähigkeit der Pflegefachkraft, eine professionelle Beziehung zum Patienten aufzubauen und geschickt und variantenreich zu agieren. Als Wissenschaft zeigt sich Pflege in der Fähigkeit der Pflegefachkraft, kritisch zu denken, zu reflektieren, die Reaktionen des Pflegeempfängers auf seine Krankheit hin zu analysieren und begründete Entscheidungen im Pflegeprozess zu fällen. Professionelle Pflege nimmt den Menschen in seiner biologischen, psychischen und sozialen Wirklichkeit an und betreut ihn in einer beruflichen Haltung der Fürsorge.

  • Pflege geschieht im Prozess von Einschätzung, Diagnostik, Planung der Ergebnisse und der Interventionen, Implementierung und Evaluation.
  • Pflege denkt, entscheidet und handelt in einem situativen Kontext.
  • Pflege denkt und handelt in der professionellen Beziehung zwischen Pflegefachkraft und Pflegeempfänger.

Professionelle Pflege konzentriert sich auf die individuellen Ressourcen der pflegebedürftigen Menschen, integriert ihre subjektiven Erfahrungen und individuellen Wege gleichermaßen wie die objektiv messbaren Daten.

Ordnungen des Wissens: Klassifikation und Diagnostik

Das Wissen der Pflege in einer einheitlichen Sprache (Fachsprache) auszudrücken, ist das Bestreben der Pflegediagnostikerinnen und -diagnostiker. Die Fachsprache einer Disziplin dient als Grundlage, den Wissensbestand zu ordnen, zu systematisieren, seine Vernetzungen transparent zu machen, intern und extern zu kommunizieren und die Wissensgrundlage für klinische Entscheidungen zu liefern. Klassifikationssysteme sind Ordnungssysteme: sie trennen einzelne Elemente voneinander, fügen sie in größere Zusammenhänge ein, machen Unterschiede und Gemeinsamkeiten transparent. Es bleibt diskursiv, inwieweit sich das Wissen um den Menschen und seine individuelle Krankheitsarbeit ordnen und klassifizieren lässt. Auch die Reichweite einer solchen Ordnung wie auch die Autorenschaft lässt Raum für konstruktive Auseinandersetzungen. Schließlich stehen wir am Beginn einer noch jungen Wissenschaft und in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche, die den Dienstleistungsberuf Pflege beeinflussen.

Pflege als Prozess: zirkulär, nicht linear

In den sechs Phasen des Pflegeprozesses ist der Denk- und Handlungsansatz der Disziplin Pflege konzeptionell angelegt. Analog der Phasen ist die persönliche Biografie des Pflegeempfängers im Umgang mit seinem Erleben von Krankheit nachvollziehbar. Zu allen folgenden Phasen des Pflegeprozesses finden Sie im Hogrefe Verlag Bern die geeignete Literatur.

  1. Assessment: die Pflegefachkraft erhebt die Daten mit den Patienten und seinen An- und Zugehörigen. Methoden der Datenerhebung sind: befragen, beobachten, körperlich untersuchen, validieren, strukturieren und dokumentieren.
  2. Diagnostik: Nach der Analyse dieser Daten stellt die Pflegefachkraft gemeinsam mit dem Patienten und seinen An- und Zugehörigen die Diagnose als klinische Beurteilung seiner Reaktion auf die bestehenden Gesundheitsprobleme. Die Diagnosen liegen als standardisierte Liste vor, die kontinuierlich evaluiert, verändert und ergänzt wird.
  3. Planung der Ergebnisse: Die Pflegefachkräfte planen die Ergebnisse als messbare Instrumente der Pflege: Sie wählen die standardisierten Pflegepläne aus, ergänzen die individuellen Pflegepläne und stimmen die Ziele mit den Patienten ab.
  4. Planung der Interventionen: Pflegefachkräfte planen die Interventionen als die konkrete Behandlung des Patienten.
  5. Implementierung: Schließlich setzt die Pflegefachkraft die Interventionen des Pflegeplans in die Pflege um.
  6.  Evaluation: Mit der Evaluation der Pflege schließt sich der Kreis des Pflegeprozesses und fängt gleichzeitig wieder von vorne an: Die Pflegefachkraft beurteilt gemeinsam mit dem Patienten und seinen An- und Zugehörigen die Veränderungen seines Gesundheitszustandes hinsichtlich der vereinbarten Ziele sowie die Wirksamkeit der geleisteten Pflege, ergänzt durch die Erhebungen der anderen therapeutischen Gesundheitsberufe.

Der Pflegeprozess als Datenbank

Die Settings der Pflege sind hochkomplex: Sie reichen von den individuellen Bedürfnissen und Bedarfen der Patienten und Klienten zu den strukturellen und organisationalen Bedingungen und Erfordernissen einer institutionellen und/oder ambulanten Pflegeeinrichtung. Hinzu kommen die vielfältigen Erkenntnisse des therapeutischen Teams der Gesundheitsfachberufe und ihre jeweilige Fachexpertise. Patienten und Klienten wünschen sich eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung, die dieser Komplexität gerecht wird: wissensbasiert, flexibel und individuell. Die Daten des Pflegeprozesses bilden eine Datenbank des Wissens über den erkrankten Menschen. Ihre Variationsbreite ist groß und öffnet Raum für vielfältige Kombinationen, deren Abbildung in Papierform nur eingeschränkt möglich ist. Die Informationstechnologie (IT) bietet stattdessen Mittel und Wege, dieser Komplexität mit Systemen zur Datengewinnung, -dokumentation und -auswertung gerecht zu werden.

Datenbank NCDB

Mit der Pflegeklassifikations-Datenbank NCDB des Hogrefe Verlags, Bern, wird erstmalig das Klassifikationssystem der Pflegeinterventionen IT-gestützt erfasst. Die NCDB basiert auf den deutschsprachigen Ausgaben von Doenges et al. (Pflegediagnosen und -maßnahmen), der NIC (Pflegeinterventionsklassifikation) und der NOC (Pflegeergebnisklassifikation). Daneben enthält die Datenbank die Option der Verknüpfung mit NANDA-Pflegediagnosen, die Schlüsselinterventionen für 50 Fachbereiche, Angaben zum Zeitaufwand und notwendige Qualifikation für einzelne Interventionen sowie einer Auswahl von Pflegediagnosen, -interventionen und -ergebnissen für die Alten- und Langzeitpflege.

Unter ncdb@hogrefe.ch erhalten Sie weitere Informationen und maßgeschneiderte Angebote für Ihre Einrichtung. bm

 

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