Die HerausgeberInnen der neuen Fachzeitschrift Schmerz und Schmerzmanagement

Sie sind langjährig erfahren, Menschen in Schmerzsituationen zu begleiten – sie sind Schmerzexperten und Schmerztherapeuten – Sie sind Pflegewissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, betraut mit Forschungsprojekten und in der Lehre zum Thema Schmerz. Welche berufliche und wissenschaftliche Biografie bringen sie mit? Welche Verbindungen haben sie zum Thema Schmerz? – Herausgeberinnen und der Herausgeber der neuen Fachzeitschrift Schmerz und Schmerzmanagement stellen sich vor.


Wer bin ich?

Mein Name ist Andre Ewers. Vor meinem Einstieg in die Pflegeausbildung im Jahr 1983 habe ich im Rahmen eines mehrmonatigen Praktikums bereits Einblick in das Tätigkeitsfeld der Pflege nehmen können. Die Entscheidung für eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege habe ich bis heute nicht bereut. Nach meiner Ausbildung habe ich zunächst für einige Monate auf einer chirurgischen Allgemeinstation und anschließend elf Jahre auf verschiedenen chirurgischen Intensivstationen gearbeitet. Nach Abschluss meiner Fachweiterbildung in der Intensivpflege und Anästhesie war ich als Führungskraft einer kardiochirurgischen Intensivstation tätig. Im Jahr 1997 entschied ich mich für ein Studium der Pflegewissenschaft an der Universität Witten Herdecke und war während dieser Zeit bereits in einigen wissenschaftlichen Projekten tätig. Meine Familie und mein langjähriger Freundeskreis sind mir ein unersetzlicher Ankerpunkt in meinem Leben.


Was habe ich beruflich gemacht rund um den Schmerz?

Seit Beginn der Berufsausbildung hat mich das Thema Schmerz schon aufgrund meiner Affinität zu den chirurgischen Fachdisziplinen begleitet. Einen vertieften Einblick in das Phänomen Schmerz, seiner individuellen, aber auch gesellschaftlichen und gesundheitsökonomischen Bedeutung erhielt ich jedoch erst während meiner Studienzeit. Nach meinem Studium habe ich die Möglichkeit wahrgenommen, im Rahmen einer Multicenterstudie mit chirurgischen und internistischen Patientinnen und Patienten zum akuten und chronischen Schmerz (www.schmerzfreies-krankenhaus.de) als wissenschaftlicher Mitarbeiter mitzuwirken. Vor allem der postoperative Schmerz wurde in dem Forschungsprojekt zum Fokus meines Interesses. So war für mich die logische Konsequenz, in diesem Thema auch zu promovieren. In einem weiteren Projekt, dem „Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt“ in Münster/Westfalen (www.schmerzfreie-stadt.de), konnte ich meine Kenntnisse zum Schmerz auch auf weitere Bereiche der gesundheitlichen Versorgung (ambulante Dienste, Schmerzpraxen, Hospize, Altenpflegeheime) erweitern. Auch wenn ich das Projekt aufgrund anderer beruflicher Agenden nicht vollständig bis zum Projektende begleiten konnte, so blieb ich doch dem Thema Schmerz verbunden. Ich nahm die Möglichkeit wahr, ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer „painApp“ zur Verbesserung des multiprofessionellen Schmerzmanagements im häuslichen Bereich, gefördert durch das Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union, zu beantragen und zu leiten. Aus diesem Forschungsprojekt heraus entstand meine Habilitation, die ich im Dezember 2016 abschließen werde. In all den Projekten war mir der Austausch zum Thema Schmerz sowohl mit meiner eigenen Berufsgruppe als auch mit anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen wichtig und ein Anliegen. Diesen Austausch nun im Rahmen einer Fachzeitschrift mitgestalten zu können, empfinde ich als großes Glück.


Wer bin ich?

Mein Name ist Irmela Gnass, meinen Einstieg in die Pflege habe ich durch einen Pflegekursus beim Deutschen Roten Kreuz gefunden. Letztendlich habe ich als Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege langjährige Berufserfahrung gesammelt. Nach 21 Jahren im Beruf und davon 17 in der Intensivpflege begann ich das Studium der Pflegewissenschaft. Parallel zum Studium arbeitete ich noch weitere sechs Jahre vorwiegend im Nachdienst.  Mein persönliches Leben wird begleitet und kreativ gestaltet durch meine Familie, Freunde und Bekannte und mir innewohnendes Fernweh und Neugierde.


Was habe ich beruflich gemacht rund um Schmerz?

In meinem beruflichen Leben war Schmerz ein Phänomen, dem ich als Intensivpflegende täglich begegnet bin. Die Gelegenheit, im Rahmen des Studiums forschungspraktische Erfahrung zu sammeln, habe ich ausgiebig genutzt, indem ich in sechs deutschen Krankenhäusern Patientinnen und Patienten in internistischen und chirurgischen Abteilungen zu ihren Schmerzen befragt habe (www.schmerzfreies-krankenhaus.de). Die Befragung richtete sich an Patientinnen und Patienten, die auskunftsfähig waren. Vor dem Hintergrund meiner beruflichen Erfahrung vermisste ich die Befragung bzw. Erfassung von Patientinnen und Patienten, die sich selbst nicht zu ihrem Schmerzen äußern konnten, z. B. Menschen mit Demenz oder sedierte oder beatmete Intensivpatientinnen und -patienten. Die Gelegenheit, im Rahmen meiner Masterarbeit an der Entwicklung eines Fremdeinschätzungsinstrumentes für genau diese Patientinnen und Patienten mitzuarbeiten, nahm ich als willkommenes Angebot wahr (Handbuch ZOPA, Verlag Huber). Als wissenschaftliche Mitarbeiterin war ich an weiteren Projekten zum Thema Schmerz und Schmerzmanagement beteiligt. Der Fokus lag auf anderen Versorgungsettings (ambulante Pflegedienste, Palliative Care, Intensivpflege), anderen Erfassungsmöglichkeiten (nutzerorientierte mobile Schmerzerfassung) und erhielt durch die Mitarbeit bei den Expertenstandards Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten und chronischen Schmerzen eine differenzierte Brennschärfe. Letztlich promovierte ich zum Thema „Schmerzerfassung bei sedierten und beatmeten Patienten und Patientinnen im Rahmen des Schmerzmanagements in der Intensivpflege/-medizin“. Und das ist jetzt nicht das Ende für die berufliche Auseinandersetzung mit den Themen Schmerz und Schmerzmanagement, denn jedes abgeschlossene Projekt und der rege Austausch zum Thema mit der eigenen und anderen Professionen hat mehr Fragen auf geworfen als beantwortet, die ich zukünftig gerne mit Ihnen kritisch reflektieren möchte.


Wer bin ich?

Ich heiße Nadja Nestler und bin seit 1986 in der Pflege tätig. Nach meiner Krankenpflegeausbildung bin ich rasch in die Intensivpflege gegangen und habe bis 1996 auf Intensivstationen gearbeitet. In dieser Zeit habe ich auch meine Fachweiterbildung zur Anästhesie- und Intensivpflege absolviert. 1996 begann ich mein Studium der Pflege, das ich als Diplom-Pflegewissenschaftlerin (FH) im Jahr 2000 abgeschlossen habe. Danach habe ich noch mehrere Jahre in einer Klinik projektbezogen gearbeitet, bevor ich 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pflegewissenschaft und -praxis wurde.


Was habe ich beruflich gemacht rund um Schmerz?

Dem Phänomen Schmerz bin ich in meiner Tätigkeit in der Intensivpflege häufig begegnet, nicht zuletzt, da ich die letzten Jahre auf einer herz- und thoraxchirurgischen Intensivstation gearbeitet habe und viele Patienten gerade bewegungsabhängige Schmerzen hatten. Nach meinem Studium hatte ich die Möglichkeit in dem Krankenhaus, in dem ich tätig war, in der Abteilung für Schmerztherapie zu arbeiten. Ich habe dort einen interprofessionellen Akutschmerzdienst mit aufgebaut, als Pflegende gearbeitet und die Ergebnisse in der Patientenversorgung evaluiert. Bei allen drei Nationalen Expertenstandards Schmerzmanagement in der Pflege hatte ich die Möglichkeit, Mitglied der Expertenarbeitsgruppe zu sein. Ab 2003 war ich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Schmerzfreies Krankenhaus und später im Versorgungsforschungsprojekt Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt.
Während all dieser Tätigkeiten und auch in Seminaren ist mir immer wieder die Bedeutung des Phänomens Schmerz für den Einzelnen wie auch unsere Gesellschaft bewusst geworden und durch meine Tätigkeit als Beraterin bei Certkom e.V. – Gesellschaft für Qualifizierte Schmerztherapie – war und ist es mir möglich, Krankenhäuser und inzwischen auch Einrichtungen der Altenhilfe auf dem Weg zu einem optimierten Schmerzmanagement zu unterstützen. Meine wissenschaftliche Tätigkeit hat mir gezeigt, dass Verbesserung der Schmerzsituation von Menschen im Krankenhaus möglich ist, wenn Pflegende (und auch Ärzte) ausreichendes Wissen und Kompetenzen haben, um dem Phänomen Schmerz zu begegnen. Dies war auch Inhalt meiner Promotion, in der ich den „Einfluss von Schulungen von Pflegenden auf das Schmerzmanagement in 20 bundesdeutschen Krankenhäusern“ untersuchte (Nestler 2014, Nestler 2015). Letztlich bin ich davon überzeugt, dass wir als Pflegende unser Wissen und unsere Kompetenzen einbringen müssen, um im interprofessionellen Team eine Verbesserung für den Menschen mit Schmerz zu schaffen. Dies scheint mir vor dem Hintergrund der ansteigenden Zahl chronischer Schmerzpatienten für die Zukunft insbesondere bedeutsam, denen ich mich zukünftig noch stärker widmen möchte.


Wer bin ich?

Als Krankenschwester und Pflegewissenschaftlerin an der HAW Hamburg biete ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen den Dualen Studiengang Pflege an, also einen zugleich generalisierten und primär-qualifizierenden pflegerischen Studiengang. In meiner Rolle als wissenschaftliche Mitarbeiterin stehe ich dabei in engem Kontakt mit den kooperierenden Kliniken und Praxisanleitern, um die verschiedenen Herausforderungen der primären Pflegeausbildung gemeinsam als inspirierende Lehr- und Lernerfahrung in Praxis, Theorie und in den „Räumen“ dazwischen zu gestalten. Mein Arbeitsinhalt ist somit im Unterricht gleichermaßen wie in Projekten, den kontinuierlichen Zyklus aus praktischer Erfahrung und theoretischem Wissen, der Wissensgenerierung und dessen Umsetzung in praktisches Handeln zu betrachten, zu unterhalten und zu fördern.


Was habe ich beruflich gemacht rund um Schmerz?

In meiner oben beschriebenen Tätigkeit steht das Schmerzmanagement insbesondere bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Menschen im Alter sowie bei Menschen mit chronischen und episodischen Schmerzen immer wieder im Fokus meines Interesses. Hervorzuheben ist dabei mein Interesse für Maßnahmen des pflegerischen Schmerzmanagements außerhalb der ärztlichen Verordnungsverpflichtung sowie die Einschätzung und Handlungsleitung einer stabilen und instabilen Schmerzsituation (siehe dazu Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei Menschen mit chronischen Schmerzen). Die Mitwirkung an den Literaturanalysen der Expertenstandards zum Schmerzmanagement bei akuten und chronischen Schmerzen (2011,2013) sowie meine Mitarbeit im Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster haben mich hinsichtlich meiner schmerzbezogenen Expertise als Wissenschaftlerin sehr geprägt. Es ist das Schmerzmanagement in der stationären Altenpflege, mit dem ich mich hier zumeist befasst habe und das bis heute als interessantes und potentialreiches Feld erlebe.


Wer bin ich?

In der Pflege arbeite ich seit den 1970ziger Jahren. Begonnen habe ich als Pflegevorschülerin, wie dies damals hieß, daran schloss sich eine  Ausbildung zur  Krankenschwester an. Meine Etappen waren die psychiatrische Pflege, danach ein Ausflug in die Intensivpflege und schließlich die Unfallchirurgie. Langjährige Erfahrung habe ich danach in der Pflege alter Menschen sammeln dürfen, vor allem in der geriatrischen Rehabilitation. Sowohl als Krankenschwester in einem Teilzeitbeschäftigungsverhältnis in der Familienphase, als auch in unterschiedlichen Leitungsverantwortungen. Nach 25 Jahren in der patientennahen Versorgung (und mit inzwischen erwachsenen Kindern) folgte dann das Studium der Pflegewissenschaft an der Universität Witten-Herdecke, das ich im Jahr 2014 mit einer Promotion im Themenbereich Schmerz abschließen konnte. Seit 2015, vierzig Jahre nach meinem Start als Pflegevorschülerin, habe ich an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) den Lehrstuhl für Akutpflege inne.


Was habe ich beruflich gemacht rund um Schmerz?

Schmerz war während meiner gesamten Tätigkeit immer ein zentrales Thema, nicht nur auf unfallchirurgischen  Abteilungen. Auch Rehabilitation ist nur möglich, wenn Patientinnen nicht durch schmerzhafte Situationen an der aktiven Teilnahme gehindert werden. Zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Themenfeld bin ich bereits während des Studiums gekommen, zunächst als studentische Mitarbeiterin in verschiedenen Projekten. Diese Arbeit konnte ich im Rahmen meiner Masterarbeit fortsetzen, bei der die Entwicklung eines Schmerzeinschätzungsinstrumentes für Menschen mit kognitiven- und Bewusstseinsbeeinträchtigungen in Akutsituationen im Mittelpunkt stand. Während dieser Arbeit wurden Fragen aufgeworfen, beispielsweise: Welche Patientinnen benötigen eine Fremdeinschätzung von Schmerz und wann ist eine Selbsteinschätzung (noch) möglich? Diesen und anderen Fragen zur Schmerzassessment konnte ich im Anschluss daran während meiner Tätigkeit am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Witten, nachgehen. In dieser Zeit konnte ich z. B. am DNQP Expertenstandard zu chronischem Schmerz mitarbeiten und die S3-Leitlinie zum „Schmerzassessment bei älteren Menschen in der vollstationären Altenhilfe“ wurde auf den Weg gebracht. Ein weiteres Thema, dem ich mich dort widmen durfte, war die Entwicklung eines Entscheidungspfades zur Differenzierung von Fremd- und Selbsteinschätzung bei Menschen mit Demenz im Krankenhaus. Zwei zentrale Erkenntnisse sind mir seit dieser Zeit sehr deutlich geworden: dass zum einen mit steigendem Wissenstand die Fragen nicht weniger werden und das Schmerzmanagement bei aller monodisziplinärer Fachkenntnis und Kompetenzentwicklung letztlich nur multiprofessionell gedacht werden kann. Daher freue ich mich darauf, die Fachzeitschrift Schmerz und Schmerzmanagement als Forum für Weiterentwicklung und fachliche Diskussionen mit Ihnen nutzen zu können. bm

 

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