DESK 3-6 R: Dortmunder Entwicklungsscreening für den Kindergarten - Revision


Interview mit Prof. Dr. Heinrich Tröster

Das Dortmunder Entwicklungsscreening wird seit 2004 erfolgreich in Kindergärten eingesetzt. Seit Anfang 2016 ist nun die Revision mit aktueller Normierung erhältlich. In die Überarbeitung gingen neben neuen Erkenntnissen aus der Forschung auch Rückmeldungen von Erzieherinnen ein, die das Verfahren regelmäßig einsetzen. Die praktische Anwendbarkeit konnte so noch weiter verbessert werden.

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Wozu wird der DESK 3-6 R benötigt?

Das DESK 3-6 R ist ein Screening-Verfahren zur Früherkennung von Entwicklungsgefährdungen bei Kindern im Vorschulalter (3 bis 6 Jahre), das eigens für den Einsatz im Kindergarten entwickelt wurde. Ziel des Verfahrens ist es, einen etwaigen Förderbedarf der Kinder zuverlässig zu erkennen, um noch vor dem Schuleintritt gezielte Fördermaßnamen einleiten zu können.


Wie läuft eine Testung mit dem DESK 3-6 R ab?

Das DESK 3-6 R basiert auf einer alltagsintegrierten Verhaltensbeobachtung, d.h., die Erzieherin beurteilt das Verhalten des Kindes nicht in einer Testsituation, sondern aufgrund ihrer Beobachtung des Verhaltens im Alltag (z. B. „Kann eine gewürfelte Zahl auf dem Spielfeld richtig setzen.“). Die Kompetenzen, die aus dem spontanen Verhalten des Kindes nicht zuverlässig erschließbar sind, werden in Einzel- und Gruppenaufgaben überprüft. Diese sind in Spielaktivitäten eingebunden, bei denen sich bestimmte Kompetenzen beobachten lassen (z. B. „Findet Beispiele zu einem Begriff.“). Die Gruppenaufgaben werden als Rollenspiel („Zirkusspiel“) mit bis zu fünf Kindern durchgeführt.


Wann ist der Einsatz des Tests angezeigt?

Das DESK 3-6 R ist für einen regelmäßigen Einsatz zur Früherkennung von Entwicklungsgefährdungen vorgesehen. Das Screening sollte einmal jährlich durchgeführt werden.


Die erste Auflage des DESK 3-6 erschien 2004. Welche Gründe gab es für die Revision?

Nach mehr als 10 Jahren schien uns nicht nur eine Neunormierung, sondern auch eine konzeptionelle Weiterentwicklung des Screening-Verfahrens erforderlich. Die PISA-Debatte hatte die Förderung schulischer Lernvoraussetzungen in den Vordergrund gerückt. Im Rahmen ihres Bildungsauftrags sollen Kitas die Kinder auf das spätere schulische Lernen vorbereiten, um die Startchancen für alle Kinder zu verbessern. Damit ergeben sich für ein Entwicklungsscreening weitere Herausforderungen, nämlich die frühzeitige Identifizierung von Kindern, die für ihre schulische Integration einer gezielten Förderung bedürfen.


Welche Änderungen wurden vorgenommen? Was konnte verbessert werden?

Um die Objektivität der Verhaltensbeobachtung zu verbessern, haben wir die Beobachtungsbedingungen und Beurteilungskriterien vieler Entwicklungsaufgaben präzisiert. Ein zentrales Ziel war auch die Verbesserung der Früherkennung zukünftiger Lernprobleme. Daher haben wir zusätzliche Skalen entwickelt, mit denen spezifische Vorläuferfertigkeiten schulischen Lernens überprüft werden können. Ein weiteres Ziel war ein differenzierteres Screening des Sozialverhaltens. Mit der ersten Version des DESK 3-6 konnten Kinder mit externalisierenden Verhaltensproblemen zwar zuverlässig erkannt werden, Kinder mit internalisierenden Verhaltensproblemen wurden jedoch oft übersehen. Das DESK 3-6 R enthält nun eine weitere Skala zum Sozialverhalten, mit der Kinder mit internalisierenden Verhaltensproblemen (z. B. soziale Ängstlichkeit) zuverlässig erkannt werden können.


Was wurde beibehalten, was hat sich bewährt?

Bewährt hat sich das Prinzip der alltagsintegrierten Verhaltensbeobachtung. Durch die Beobachtung der Kinder unter vertrauten Bedingungen erleben sie das Screening nicht als Prüfungssituation. Gleichzeitig ermöglicht das Zirkusspiel aber auch eine standardisierte Beobachtung.


Wie läuft so eine "Zirkusaufführung" ab?

Es gibt einzelne, thematisch zusammenhängende Spielszenen (z. B. "Der Zirkusdirektor will eine Ansage machen."). In jeder Szene sind Entwicklungsaufgaben eingebettet. Die Kinder spielen die Szenen z.B. in der Rolle als Zirkusdirektor, Artist, Clown oder Dompteur nach, wodurch die Erzieherin die Möglichkeit hat, die in diese Spielszene eingebauten Entwicklungsaufgaben zu beurteilen.


Wie wichtig sind Rückmeldungen von Anwendern für eine Revision?

Für ein Screening, das von Erzieherinnen eingesetzt werden soll, ist es entscheidend, dass die Aufgaben in der Kita „funktionieren“, d.h., sie müssen unter den Alltagsbedingungen zuverlässig beobachtbar, durchführbar und beurteilbar sein. Solche Aufgaben lassen sich nicht „am grünen Tisch“ konstruieren, sondern müssen „vor Ort“ erprobt werden.
Dabei waren uns auch Rückmeldungen von Erzieherinnen, die das DESK 3-6 regelmäßig einsetzen, eine große Hilfe. Ihre Fragen zur genauen Durchführung und zu den Beurteilungskriterien und vor allem ihre Vorschläge haben uns sehr geholfen, die Praktikabilität und die Einbindung der Aufgaben in den Kita-Alltag zu verbessern.


Es gibt ja schon eine Reihe von Entwicklungstests und -screenings. Besteht überhaupt die Notwendigkeit ein weiteres Verfahren anzubieten? Was ist das Besondere am DESK 3-6 R?

Einen Vorzug des DESK 3-6 R sehe ich in seiner Alltagstauglichkeit – die entscheidende Voraussetzung dafür, dass ein diagnostisches Verfahren im Kindergarten auch eingesetzt wird. Das DESK 3-6 R wurde konsequent für den Einsatz im Kindergarten entwickelt. Die Anwendung setzt keine spezifischen diagnostischen Vorkenntnisse oder spezielle Schulung der Erzieherinnen voraus und erfordert kein spezielles Testmaterial. Das DESK 3-6 R kann ohne längere Vorbereitungszeit in der Kita durchgeführt, ausgewertet und interpretiert werden. Im Unterschied zu vielen Beobachtungsbögen, die in den Kitas verbreitet sind, ist das DESK 3-6 R normiert und hinsichtlich der Gütekriterien überprüft. Der normbasierte Vergleich (Halbjahresnormen) des individuellen Screening-Ergebnisses mit der Altersgruppe ermöglicht eine zuverlässige Beurteilung eines etwaigen Entwicklungsrisikos. Substanzielle Zusammenhänge zwischen den DESK-Skalen und bewährten Skalen zur Sprachenentwicklung und sozialen Entwicklung sprechen für die Validität des DESK 3-6 R.


Eine Testung im Kindergartenalter ist sicher eine Herausforderung. Wie wichtig ist der spielerische Aspekt bei der Testung? Wie viele Freiheiten (z.B. Pausen) sollte man den Kindern geben, um die Motivation aufrechtzuerhalten?

Bei der Konzeption des DESK 3-6 R war es uns wichtig, dass für die Kinder keine „Testsituation“ entsteht. Alle Entwicklungsaufgaben des Screenings lassen sich gut in vertraute Spielhandlungen einbetten. Gerade beim Zirkusspiel sind die Kinder stark in die Spielhandlung involviert. Zudem erleben sie, dass sie die meisten Aufgaben des Screenings lösen können. Sie haben somit fast nur Erfolgserlebnisse und machen nur sehr selten die Erfahrung, dass sie etwas nicht schaffen.


Kann das Screening auch bei der Entscheidung helfen, ob ein Kind eingeschult werden sollte?

Ich bin überzeugt, das DESK 3-6 R kann einen bedeutsamen Beitrag zur Schuleingangsdiagnostik leisten. Bei den 5- und 6-jährigen Kindern werden wichtige Voraussetzungen für das spätere schulische Lernen überprüft. Dazu gehören sowohl allgemeine schulische Lernvoraussetzungen (z.B. Aufmerksamkeit und Konzentration) als auch spezifische Lernvoraussetzungen für den Schriftspracherwerb und für den Erwerb mathematischer Kompetenzen.
Die Befunde aus der Kita könnten auch Grundschullehrkräfte nutzen, um ihren Unterricht besser auf die individuellen Lernvoraussetzungen und besonderen Förderbedarf der Schüler einzustellen.


Eine Testentwicklung erfordert viel Zeit und Mühe. Würden Sie sagen, dass einem die Arbeit bei einer Revision leichter von der Hand geht, da man nicht bei Null anfangen muss?

Die Revision eines Verfahrens lässt sich sicher gezielter angehen, wenn man die Stärken und Schwächen der Vorgängerversion kennt. Die entscheidenden Impulse gingen aber von den Erzieherinnen aus. Ihre Anregungen, vor allem aber ihre Kritik haben uns gezeigt, an welchen Stellen Verbesserungen notwendig waren.


Lesen Sie mehr im Flyer zum DESK 3-6 R (PDF-Datei)

 

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