Didacta 2017

von Franziska Preis


Intelligenz und Entwicklung: Neue Tests und Trends

Sie fragen sich: Schon wieder neue IQ- und Entwicklungstests? Davon gibt es doch bereits genügend. Ja. Aber auch nein. Denn neue, aktualisierte und/oder überarbeitete Testverfahren werden immer wieder benötigt. Sie möchten wissen warum? Dann lesen Sie im Folgenden mehr zu den Gründen der Neuerungen sowie Trends im Bereich Intelligenz und Entwicklung.


Wenn altbewährte Tests in die Jahre kommen

In vielen Bereichen des alltäglichen Lebens kennen Sie dieses Phänomen: die Lieblingshose verblasst, der heißgeliebte Golf III gibt seinen Geist auf und das Nokia 6210 ist zwar stabil, jedoch erfüllt es längst nicht mehr alle Bedürfnisse des heutigen mobilen Lebens. Diese Produkte brauchen ein „Update“. Dies gilt auch für viele Testverfahren. Nicht per se für alle. Denn hier ist ein geschulter Blick von Nöten um einzuschätzen, welches Testverfahren alt und welches noch zeitgemäß ist. Woran erkennt man also, ob ein Testverfahren noch zeitgemäß ist und treffsichere, gültige Ergebnisse liefert? Hier ein paar Beispiele:


Ein zeitgemäßes Testverfahren*:

  • enthält umfassende, aktualisierte Normen
  • ist umfassend hinsichtlich seiner Objektivität, Reliabilität und Validität geprüft
  • enthält zur Erhöhung der Objektivität sogenannte computergestützte Testleiterprogramme
  • ist mit zeitgemäßen (und kulturfairen) Testmaterialien ausgestattet
  • enthält die für die diagnostische Praxis notwendigen Inhalte, die fundiertes, aber auch ökonomisches Testen erlauben
  • steht zur internationalen Vergleichbarkeit in mehreren Sprachen zur Verfügung
  • liefert direkte Hinweise zu Förderprogrammen
  • orientiert sich anhand der DIN-Screen Checkliste 1

Was bedeutet dies für die Entwicklung neuer Tests? Dass man aus Erfahrungen lernt und die Schwachstellen der 'älteren' Tests als Grundlage zur Entwicklung neuer oder Überarbeitung bereits bestehender Testverfahren verwendet. Nachfolgend zeigen wir Ihnen exemplarisch anhand vier ausgewählter Testverfahren, welche Aspekte weiter- bzw. neu entwickelt wurden, um den Anforderungen der Gegenwart im Hinblick auf IQ- und Entwicklungsdiagnostik gerecht zu werden.

 

Neuerungen und Trends im Bereich der Entwicklungsdiagnostik

Die im Jahr 2016 erschienene Neuauflage der BUEVA Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter (BUEVA-III, Esser & Wyschkon, 2016) zeigt beispielsweise Modifizierungen und Erweiterungen auf der Untertestebene. Um die Hinzunahme zusätzlicher Testverfahren im Diagnostikprozess von Vorschulkindern zu reduzieren, haben die Autoren im Vergleich zur Vorgängerversion den Untertest (UT) „rezeptive Sprache“ hinzugefügt. Dadurch liegen mit den weiteren UTs „expressive Sprache“, „nonverbale“ und „verbale Intelligenz“ alle Daten für eine Diagnose Sprachstörung vor. Da schulische Vorläuferfertigkeiten zunehmend eine stärkere Rolle hinsichtlich der Prognose späterer Entwicklungsstörungen einnehmen, haben auch hier die Autoren der BUEVA-III reagiert: Sie haben den UT „phonologische Bewusstheit“ sowie den UT „Zahlen- und Mengenverständnis“ hinzugefügt.

Es gibt viele allgemeine Entwicklungstests, die Entwicklung über mehrere Dimensionen hinweg erfassen. Aber auch eben solche Tests, die spezifische Entwicklungsaspekte beleuchten. Ein Beispiel dafür ist das neu entwickelte EMK 3-6 Inventar emotionaler Kompetenzen bei Drei- bis Sechsjährigen (Petermann & Gust, 2016). Dieses Verfahren legt den Fokus ausschließlich auf den für die Entwicklung so bedeutsamen Aspekt der Emotionen. Besonderheiten dieses Testverfahrens sind z.B., dass:

  • die Materialien ansprechend und kindgerecht gestaltet sind
  • ein zusätzliches EMK-Screening zur Einschätzung der emotionalen Kompetenzen im Fremdurteil zur Verfügung steht
  • mithilfe der EMK 3-6 als auch der Screening-Ergebnisse ein gezieltes Förderprogramm emotionaler Kompetenzen (Das EMK-Förderprogramm) eingeleitet werden kann

Neuerungen und Trends im Bereich der Intelligenzdiagnostik

Die IDS (Intelligence and Develpment Scales) sind ein Testverfahren, welches IQ- und Entwicklungsdiagnostik in einer besonderen Art und Weise miteinander verbindet. Nach der ersten Auflage im Jahr 2009 kommen voraussichtlich in den Jahren 2017/2018 verschiedensprachige Versionen der zweiten Auflage auf den Markt. Die IDS-2 stellen weltweit das erste Testverfahren dar, welches Intelligenz und Entwicklung von Personen im Alter von 5-20 Jahren erfasst. Damit werden Transitionen vom Kindergarten bis hin zur Berufslehre messbar. Darüber hinaus zeichnen sich die IDS-2 durch weitere Aspekte aus:

  • die Testadaptierung fand in 10 Ländern statt
  • die Normierungsstichprobe umfasst mehr als 22.000 Personen
  • die IDS-2 werden ein zusätzliches Testleiterprogramm enthalten

Sie fragen sich, was genau unter einem Testleiterprogramm zu verstehen ist? Mit Hilfe eines computergestützten Testleiterprogramms wird der Diagnostiker durch den gesamten Test geführt. Dabei gehen wertvolle Hilfestellungen mit der gleichzeitigen Datenerfassung Hand in Hand. Die gesamte Testdurchführung wird damit sicher und effizient.

Komplett neu auf dem Markt ist seit letztem Jahr der THINK 1-4 Test zur Erfassung der Intelligenz im Grundschulalter (Baudson, Wollschläger & Preckel, 2016). Neben anderen Intelligenztests für das Grundschulalter weist der THINK 1-4 z.B. folgende Vorzüge auf:

  • Berücksichtigung der noch unvollständig ausgebildeten Lesefähigkeit (in der 1. und 2. Klasse werden die Aufgaben vorgelesen)
  • breite Abdeckung der fluiden Intelligenz
  • großzügige Bearbeitungszeiten
  • ausreichende Schwierigkeit (weitgehend keine Boden- und Deckeneffekte)
  • kinderfreundliches Antwortformat

Sie möchten mehr dazu erfahren? Gern können wir einen persönlichen Termin am Ort Ihrer Wahl vereinbaren, um Tests und Trends speziell zu Ihren Fragestellungen vorzustellen. Schreiben Sie uns einfach Ihre Anfrage an: franziska.preis@hogrefe.de

*Hinweis: Nicht jedes Testverfahren weist aufgrund seiner Konstruktion alle Merkmale auf. Inwieweit ein Testverfahren aktuell ist, ist in jedem Fall gesondert zu prüfen. Sie möchten wissen, ob ein von Ihnen eingesetztes Testverfahren noch zeitgemäß ist? Wir helfen Ihnen gern. Schreiben Sie uns eine E-Mail an: franziska.preis@hogrefe.de

 

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