Resilienz bei Kindern

von Franziska Preis


Nach traumatischen Erfahrungen wieder aufstehen. Krisen meistern. Und das trotz ungünstiger Lebensumstände. Dies alles sind Kennzeichen der Resilienz, der sogenannten Widerstandsfähigkeit eines Individuums.


Auch Kinder sind in der Lage – entgegen unserer Erwartungen – gestärkt aus schwierigen Situationen hervorzugehen. Die Frage ist nur: Wieso sind einige Kinder eher dazu in der Lage als andere? Die Antwort ist: Die Resilienz ist lernbar. Es liegt demzufolge in der Verantwortung der Forscher und Praktiker, Angebote zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit zu entwickeln. Diese zu erproben. Und letztendlich in der Praxis umzusetzen.

Drogen, Flucht, Gewalt

Die Gründe für die Notwendigkeit einer psychosozialen Widerstandskraft sind vielfältig. Da sind zum einen die Kinder aus suchtbelasteten Familien. Genauso wie Kinder, die Tage, Monate oder Jahre auf der Flucht waren. Oder eben auch Kinder, die psychische oder physische Gewalt durchlebten. Und teilweise noch immer erfahren. Jedoch sind das nur einige Beispiele. Es war, ist und bleibt wichtig, diesen Kindern Hilfe zukommen zu lassen. Vielmehr noch: Es sollte unsere allgegenwärtige Aufgabe sein. Denn die Kinder von heute sind die Zukunft von morgen.

Wie werden Kinder resilient?

Pionierarbeit zur Beantwortung dieser Frage leistete die sogenannte Kauai-Studie von 1977. Die Studie zeigte, dass ungünstige Lebensbedingungen nicht zwingend zu Strafauffälligkeiten oder psychischen Störungen führen. Basierend darauf befassten sich zunehmend mehr Forscher mit der Frage: Welche Schutzmechanismen sind notwendig, um einer krankhaften Entwicklung des Kindes vorzubeugen? Die Forschung zeigt, dass sich unter anderem folgende Faktoren als günstig erweisen:

  • ein positives Selbstvertrauen,
  • eine hohe soziale Kompetenz,
  • eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung,
  • die Fähigkeit der Emotionsregulation,
  • gute Kommunikations- und Problemlösefähigkeiten und
  • die Fähigkeit, sich Unterstützung von anderen Menschen zu holen.

Doch wie entwickeln sich diese Fähigkeiten? Teils ganz von allein, teils mit Hilfestellung.

Resilienz bei Kindern

Fertigkeiten erlernen, um Kinder zu unterstützen

Auch der Anfang 2016 durchgeführte 29. DGVT-Kongress für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Beratung befasste sich mit dieser Frage. Wie können wir die Resilienz von Kindern gewährleisten? Der Kongress bot zahlreiche Möglichkeiten zur Annäherung einer Lösung: Symposien, Workshops, Arbeitsgruppen, kulturelle Foren und Round Tables. Innerhalb der Workshops konnten sich Interessierte vor Ort praktische Fertigkeiten aneignen. Fertigkeiten, die in der Zukunft Kindern helfen können, spezifische Resilienzfaktoren zu entwickeln. Es gab einen Workshop für Kinder mit sexuellen Missbrauchserfahrungen. Ein Workshop, der Fertigkeiten vermittelt, wenn bereits ein Trauma eingetreten ist. Eine präventive Schulung von Resilienzfaktoren war ebenso möglich. Dies konnten Kongressteilnehmer in dem Workshop "Faustlos im Kindergarten und in der Grundschule" praktisch erfahren.

Resilienztraining für alle?

JA. Und irgendwie doch NEIN. Der Psychologe George Bonanno von der Columbia University stellte fest: Nur 6 bis 18 Prozent der Personen, die Verletzungen, Unfälle oder Kriege überlebten, entwickeln eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Psychologen Richard Tedeschi und Lawrence Calhoun von der University of North Carolina sprechen sogar vom posttraumatischen Wachstum. Der Fähigkeit zur Transformation und zum emotionalen Wachstum durch Traumata. Brauchen also traumatisierte Kinder keine Unterstützung? Für die Resilienzexpertin Ann Masten ist eines klar: Das Aufrichten gelingt besser mit Hilfe. Letztendlich hängt es ganz von der Zielstellung ab. Betrachten wir gute Emotionsregulationsfähigkeiten oder eine hohe soziale Kompetenz als übergreifend förderlich für das Leben? Oder sind wir der Auffassung, dass nur traumatisierte Kinder diese Fähigkeiten benötigen? Präventive Angebote sollten genauso praktiziert werden wie begleitende Beratung oder professionelle Behandlung. Denn die Gegenwart zeigt uns eines: Drogen, Gewalt und Krieg sind fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Umso mehr brauchen die Kinder von heute und morgen vielfältige Unterstützungsleistungen. Und dies bereits im Kindergarten, in der Grund-  und Sekundarschule.

 

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